Meine Qualifikation

Nach meinem Abitur stand ich erstmal, wie viele Leidensgenossen in meiner Generation, relativ orientierungslos vor den unendlichen Möglichkeiten, die einem so ein Abschluss eben bietet.
Nachdem ich mich an einem Studium der Philosophie versucht hatte, habe ich die grüne Branche erst im Jahr 2008 für mich entdeckt, als ich eine Ausbildung zum Friedhofsgärtner in Essen begann.

Ausbildung zum Friedhofsgärtner

Ich habe in meiner Ausbildung schnell festgestellt, dass der Beruf des Friedhofsgärtners wie geschaffen für mich war. Die körperliche Arbeit an der frischen Luft tat mir gut und das Berufsbild ist so vielfältig, dass man Fachwissen in vielen Bereichen gleichzeitig sammeln kann. Friedhofsgärtner haben in gewisser Hinsicht einer Sonderstellung im Gartenbau. Wir produzieren eigene Pflanzen (in Gewächshäusern oder im Freiland), wir pflegen Pflanzen oft unter widrigen Umständen und wir gestalten auf kleinster Fläche manchmal regelrechte Kunstwerke mit Bezug zu den Verstorbenen, an deren Leben wir erinnern wollen. Das alles immer unter den schwierigen Standortbedingungen auf unseren Friedhöfen.
Ohne die anderen Fachrichtungen des Gartenbaus abwerten zu wollen, würde ich behaupten, dass Friedhofsgärtner die vielseitigsten Gärtner mit dem am breitesten gefächerten Fachwissen sind. Ausbildungsinhalte im theoretischen Teil waren vor Allem Bodenkunde, Düngerlehre und Pflanzenphysiologie sowie Vegetationstechnik und die Vermittlung von technischem Wissen über Maschinen und Geräte, die im Gartenbau eingesetzt werden.

Arbeit als Friedhofsgärtner

Meine Ausbildung abgeschlossen habe ich im Januar 2011. Anschließend habe ich weitere 4 Jahre als Friedhofsgärtner gearbeitet. Dabei konnte ich noch viel Erfahrung sammeln, was das eigenverantwortliche und selbständige Arbeiten angeht, da mein Arbeitgeber mir weitegehend freie Hand gelassen und mich oft im Außendienst eingesetzt hat.
Vor Allem die Kreativität ist dabei besonders gefordert, um spontan auftretende Probleme mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu lösen. Da auf kirchlichen Friedhöfen auch die Pflege des Rahmengrüns, Bau und Reparatur von Wegen und das Durchführen von Beerdigungen zu unseren Aufgaben gehörte, war diese Zeit für mich in vielen Bereichen sehr Lehrreich.
Auch in Sachen Maschinenwartung und -reparatur konnte ich hier viel Erfahrung sammeln und mein handwerkliches Geschick insgesamt verbessern. Nicht zuletzt habe ich auch viele Kundengespräche geführt und denke, dass ich ein gutes Verständnis davon entwickelt habe, was Kunden von einem Gärtner erwarten und wie ich dieser Erwartung gerecht werden kann.

Fortbildung zum Gärtnermeister

Im Jahr 2015 habe ich mich beim Gartenbauzentrum Essen angemeldet, um Gärtnermeister zu werden. Die Fortbildung in Vollzeit dauert ein Jahr und vermittelt sehr viel Fachwissen in den unterschiedlichsten Bereichen. Vor Allem werden sämtliche Inhalte der "normalen" Ausbildung hier nochmal deutlich vertieft. Zusätzlich wird versucht, die angehenden Meister auf das Leiten eines eigenen Betriebes vor zu bereiten. Deshalb werden z.B. auch Buchhaltung, Vermarktung oder Personalführung unterrichtet. Speziell für Friedhofsgärtner wurden auch Themen wie die rechtliche Situation auf Friedhöfen und das Bestattungsgesetz behandelt.
Ergänzt wird die viele Theorie durch einige praktische Übungen, viele Exkusionen, Projekte und nicht zuletzt die Floristik, die wohl vor Allem der etwas verspäteten Entwicklung der Kreativität dienen sollte.

Nach einem Jahr, in dem ich extrem viel dazu gelernt habe, habe ich dann 2016 meine Meisterprüfung bestanden und bin jetzt Gärtnermeister der Fachrichtung Friedhofsgärtnerei.