Grabgestaltung

Die Gestaltung einer Grabstätte kann man sehr einfach halten, wenn man möchte. Relativ oft besteht die Bepflanzung aus einem Blumenbeet, zwei Gehölzen am Kopfende links und rechts, vielleicht einer Hecke drum herum und die restliche Fläche wird dann z.B. mit Mulch oder Kies abgedeckt. Das sieht ersmal ordentlich aus und lässt sich leicht pflegen. Ich persönlich habe da gar nichts gegen einzuwänden, aber ich bezeichne das für mich immer als die altmodische Variante.

"altmodische Variante, Skizze"
"altmodische Variante, Skizze"

In meiner Ausbildung habe ich gelernt, dass eine Grabbepflanzung im Idealfall aus etwa 15% Wechselbeet, 25% Rahmenbepflanzung und 60% Bodendecker bestehen sollte. Dann gibt's noch haufenweise Konzepte, wie das alles anzuordnen ist, damit es möglichst harmonisch wirkt. Das funktioniert tatsächlich auch. Wenn man sich einigermaßen danach richtet, bekommt man ein Ergebnis, das sich durchaus sehen lassen kann. Es führt aber auch dazu, dass dann alles mehr oder weniger gleich aussieht, was man nach diesem Konzept gemacht hat. Für mein persönliches Empfinden ist das immer noch wesentlicher schöner, als die "altmodische Variante", aber das ist ja Geschmackssache.

Inzwischen bin ich jedoch der Ansicht, das eine Grabstätte so individuell sein sollte, wie der Mensch, der unter ihr begraben liegt. Und das lässt sich mit ein bisschen Hintergrundwissen darüber, was geht und was nicht, auch in den meisten Fällen gut erreichen.

Bedarfsgerecht gestalten

Genau wie bei einem Hausgarten, kommt es bei der Grabgestaltung zu allererst darauf an, was für Ansprüche wir an die jeweilige Grabstätte stellen. Bevor ich darauf näher eingehe, zerlegen wir aber erst mal eine Grabbepflanzung in ihre Einzelteile und sehen uns an, was wofür gut ist.

Theorie

Eine Bodendeckerfläche zeichnet sich erst mal dadurch aus, dass sie aus niedrig wachsenden Pflanzen besteht, die einen möglichst gleichmäßigen, dichten Teppich bilden. Das macht nicht nur dem Unkraut das Leben schwerer, sondern sorgt vor allem für ein ruhiges Gesamtbild. Die meisten Pflanzen, die hier verwendet werden, blühen einmal im Jahr eine kurze Zeit lang. Den Rest des Jahres hat man eine gleichmäßige, grüne Fläche. Bodendecker müssen besonders im ersten Jahr noch recht intensiv gepflegt werden. Ist die Fläche dann einmal zugewachsen, muss man fast nur noch gelegentlich die Kanten nachschneiden. Bestimmte Arten müssen auch in der Höhe geschnitten werden. Gießen oder Düngen kann ab und an nötig sein, das hängt von der jeweiligen Pflanzenart ab und natürlich von Standort und Wetter.

Als Wechselbepflanzung werden dagegen Blumenbeete bezeichnet, die mehrmals im Jahr neu bepflanzt werden. Normalerweise passiert das einmal im Frühjahr, dann wieder mitte Mai mit der Sommerbepflanzung und im Herbst um Allerheiligen herum. Das Wechselbeet ist im Prinzip der "Blumenschmuck" einer Grabstätte, wenn man so will, und der Teilbereich, um den man sich als Grabnutzer am meisten kümmert.

Die dritte Teilfläche, die man einplanen muss, ist die Rahmenbepflanzung. Dazu gehört im Prinzip alles, was dauerhaft stehen bleiben soll, aber kein Bodendecker ist. Also etwa kleine Bäume, Sträucher, Hecken und dergleichen. Die Rahmenbepflanzung ermöglicht erst eine räumliche Gestaltung der Grabstätte. Ohne sie wäre es mehr oder weniger eine zweidimensionale Fläche. In der Regel werden Gehölze ausgewählt, die kleinwüchsig sind, schnittverträglich und möglichst langsam wachsen. Hier ist weniger oft mehr. Zu viele große Sträucher lassen eine Grabstätte leicht überladen wirken. Außerdem sollte man immer bedenken, dass Pflanzen auch noch wachsen und nicht alle lassen sich ohne Probleme durch regelmäßigen Schnitt so klein halten, wie man das vielleicht erwartet. Besonders sollte darauf geachtet werden, Gehölze nie so zu platzieren, dass sie irgendwann die Sicht auf den Grabstein zuwuchern. Der ist nämlich immer der zentrale Ausgangspunkt der Betrachtung.

 

Außerhalb dieser drei Kategorien gibt es dann noch Flächen, die gar nicht bepflanzt werden. Auch die müssen natürlich bedacht werden. Trittplatten sind beispielsweise wichtig, um auch überall dran zu kommen. Wenn man sich nämlich für eine Bodendeckerbepflanzung entscheidet, kann man nicht einfach überall hin treten. Ein Bodendecker ist eben kein Spielrasen. Außerdem sollte man bedenken, dass gerade in den ersten Jahren nach einer Beerdigung öfter mal Blumensträuße, Kränze oder Gestecke auf einem Grab abgelegt werden. Auch dafür muss eine ausgewählte Stelle eingeplant werden, denn ein Bodendecker kann unter so einem Gesteck auch ganz schnell ersticken und dann hat man so einen unschönen braunen Fleck auf dem Grab.

Praxis

So ähnlich wie es verschiedene Phasen der Trauer gibt, sieht man in der Realität auch unterschiedliche Formen der Grabnutzung. Je nach dem, zu welcher Art Grabnutzer man sich am ehesten zählt, sollte man auch die Gestaltung der Grabstätte an seine Bedürfnisse anpassen.

Erst mal gibt es die, die fast jeden Tag auf dem Friedhof sind und möglichst oft was am Grab machen wollen. Manche fegen jedes Laubblatt sofort weg, damit es immer sauber ist. Manche hacken auch den ganzen Boden ständig durch oder schleppen jeden Tag kannenweise Wasser zum Grab. Das ist völlig in Ordnung, wenn man das Bedürfnis danach hat. Eine aufwändige Gestaltung mit Bodendecker wäre in dem Fall allerdings genau das Falsche. Im Endeffekt muss ich jedem, der sich zu dieser Gattung von Grabnutzern zählt, zur altmodischen Variante raten. Das wichtigste ist in diesem Fall, ein großzügiges Wechselbeet anzulegen, an dem man sich in diesem Sinne "austoben" kann. Dazu vielleicht noch ein oder zwei kleine Gehölze, die gehegt und gepflegt werden können und fertig. Ein großer Teil der Fläche bleibt dann leider ungenutzt, aber das lässt sich immer noch nachholen, wenn das Bedürfnis, das Grab zu besuchen, mit der Zeit weniger wird.

Dann gibt es die Grabnutzer, die hin und wieder mal da sind, aber hauptsächlich eine schöne Grabstätte haben wollen und froh sind, wenn sie sich nicht ständig nach irgendwelchem Unkraut bücken oder schwere Gießkannen schleppen müssen. Sie bringen ab und an Sträuße oder Gestecke zum Grab und zünden mal eine Kerze an. Hier macht die Anlage einer Bodendeckergrabstätte Sinn. Solange man öfter auf dem Friedhof ist, kann man sich im ersten Jahr etwas darum kümmern, dass alles gut wächst. Danach hat man dauerhaft eine schöne Grabstätte, die nicht viel Arbeit machen muss, wenn man die richtigen Arten ausgewählt hat. Wichtig ist dabei, (noch) nicht auf Wechselbeet und Ablageflächen für Grabschmuck zu verzichten, die in dieser Zeit meist häufig genutzt werden.

Als drittes haben wir dann die Grabnutzer, denen es reicht, ein paar mal im Jahr vorbei zu schauen, ob noch alles in Ordnung ist. Die nötigen Pflegearbeiten werden dann eben gemacht und vielleicht stellen sie noch ein Grablicht auf. Viele wollen die Grabstätte auch immer noch möglichst schön und gepflegt haben und beispielsweise nicht auf ein Wechselbeet verzichten. Das bekommt man in dem Fall am ehesten hin, indem man den örtlichen Friedhofsgärtner engagiert.

Lässt aber irgendwann das Interesse an einer Grabstätte soweit nach, dass man auch auf Blumenschmuck verzichten will, bietet sich eine sehr pflegeextensive Gestaltung mit Bodendeckern an, die wenig Unkraut durchlassen und dabei selbst relativ anspruchslos sind. Heute lassen viele Leute Grabstätten frühzeitig einebnen, sobald sie ihre Trauer bewältigt haben und keinen Sinn mehr in der Grabpflege sehen. Das ist meiner Meinung nach zwar verständlich, aber schon alleine deshalb nicht sinnvoll, weil sich die meisten Friedhofsträger dafür auch wieder gut bezahlen lassen. Viel einfacher ist es, sofern man schon eine Grabstätte mit einem passenden Bodendecker hat, nur die Pflanzen, die irgendwie Arbeit machen, zu entfernen und die Fläche einfach zu wachsen zu lassen. In Vielen Fällen reicht es dann, ein paar mal im Jahr ein bisschen Unkraut zu entfernen und das war's.

 

Wenn man eine Grabstätte neu gestaltet, ist es also immer sinnvoll, von Anfang an mit einzuplanen, wie sich der jeweilige Grabnutzer verhält und wie sich sein Verhalten mit der Zeit wahrscheinlich verändern wird. Optimaler Weise lässt sich die Grabstätte dann ganz einfach an jeden Bedarf anpassen, indem nur einzelne Teilbereiche umgestaltet werden müssen.

Formen...

Unabhängig davon, welche Pflanzen man hinterher einsetzt, sollte man sich nun als erstes überlegen, wie man die Fläche einer Grabstätte einteilt. An dem oben erwähnten Verhältnis 15:25:60 kann man sich orientieren, aber man kann es ganz ehrlich auch einfach lassen. Die Grabgestaltung ist von vielen Faktoren abhängig, wie beispielsweise dem Grabstein, der reinen Größe der Grabstätte und der näheren Umgebung. Bei kleinen 1x1m Urnengräbern kann es völlig ausreichen, die ganze Fläche einheitlich mit einem Bodendecker zu bepflanzen und vielleicht noch ein kleines Gehölz am Grabstein zu arrangieren. Bei einem 2,40x2,40m Wahlgrab sähe das dagegen recht bescheiden aus und wäre eher etwas für die letzte Trauerphase. Da spielt die Rahmenbepflanzung dann schon eine wichtigere Rolle.

Grundsätzlich kann man für alle Grabstätten erst mal festhalten, dass sich die Gestaltung immer am Grabstein orientiert, wenn denn einer vorhanden ist. Meist wird versucht, den Stein durch die Bepflanzung in gewisser Hinsicht zu betonen oder zu "unterstreichen". Das lässt sich beispielsweise ganz gut mit hängenden Gehölzen erreichen, die am Kopfende platziert werden. Außerdem kann man mit vielen typischen Heckenpflanzen nicht nur Hecken in gerader Linie, sondern auch jede andere zweidimensionale Form bilden und sie am Grabstein ausrichten. Dazu werden oft Buchsbaum, Euonymus oder Ilex verwendet. Die Möglichkeiten sind da ansatzweise unendlich, was die unterschiedlichen Formen angeht. Allerdings ist es wichtig, bei solchen Flächen darauf zu achten, dass die Form einigermaßen harmonisch wirkt. Am besten kriegt man das hin, indem man geschwungene, organische Formen wählt. Ecken und gerade Linien werden in der Realität nie so gerade, wie man sie sich vorstellt und das wirkt auf den Betrachter dann irgendwie unruhig.

Beispiel einer modernen Gestaltung
Beispiel einer modernen Gestaltung

Außerdem ist es prinzipiell wesentlich einfacher, eine Bepflanzung bewusst asymmetrisch zu gestalten, als zu versuchen, es irgendwie symmetrisch hin zu bekommen. Perfekte Symmetrie ist eben kaum zu erreichen, wenn man mit dem Naturprodukt Pflanze arbeitet. Und so halbe fast-Symmetrie funktioniert beim Betrachter nicht. Da beschwert sich das Unterbewusstsein drüber.

Dabei sollte man immer möglichst "linksorientiert" planen. Das bedeutet, wenn man beispielsweise ein Gehölz links neben den Grabstein setzt und eins rechts, sollte das linke immer größer sein. Das gleiche gilt für alle Flächen des Rahmengrüns und auch das Wechselbeet sollte als Blickfang tendenziell entweder mittig oder eher links angeordnet werden. Zu einseitig darf es aber auch nicht sein. Der "Schwerpunkt" der gesamten Gestaltung soll insgesamt möglichst mittig oder nur ganz leicht auf der linken Seite liegen. Auf der rechten Seite können z.B. kleinere Ziergehölze oder sowas als eine Art "Gegengewicht" eingebaut werden. Liegt die visuelle Gewichtung insgesamt eher auf der rechten Seite, steht man als Betrachter davor und denkt unterbewusst "irgendwas stimmt damit nicht". Diese Tendenz zur linken Seite hängt einfach mit unserer Wahrnehmung zusammen. Wenn man darauf achtet, begegnet einem das in vielen Bereichen des Lebens, da braucht man sich nur irgendwas angucken, was in irgendeiner Weise von Menschen designt wurde.

Als dritten Grundsatz kann man festhalten, dass große Pflanzen eher nach hinten gehören und kleine nach Vorne, wie bei einem Gruppenfoto. Auch wenn man unterschiedliche Höhen in der Fläche einbauen möchte, müssen immer die hinteren höher sein und niemals umgekehrt. Der Betrachter, der vor der Grabstätte steht, sieht dann durch seinen Blickwinkel auf eine Fläche, anstatt in einen Abgrund. Auch das spielt unterbewusst eine große Rolle.

Abschließend kann ich dann noch den Tipp geben, dass man sich nicht zu sehr austoben sollte, was die unendlichen Möglichkeiten der Gestaltung angeht. Möglich zwar ist wirklich Vieles, aber wenn wir davon ausgehen, dass eine Grabstätte immer eine gewisse Ruhe ausstrahlen soll, ist es am sinnvollsten, einfache Formen zu wählen und möglichst eher große, zusammenhängende Flächen zu bilden, anstatt viele unterschiedliche, kleine. Dabei sollte man sich am besten auf höchstens 3-4 Arten konzentrieren, mit denen man, abgesehen vom Wechselbeet, alles gestaltet.

...und Farben

Farben spielen natürlich auch eine große Rolle. Wenn wir das Wechselbeet mal außen vor lassen, haben wir bei der Bepflanzung in der Regel die Wahl zwischen grün-, gelb-, blau- und rotlaubigen Pflanzen. Dazu muss man erst mal wissen, dass die meisten buntlaubigen Pflanzen, wenn sie zu wenig Licht bekommen, irgendwann "ausgrünen". Das bedeutet für eher schattig gelegene Grabstätten reduziert sich die Auswahl schon mal ziemlich. Da die Schönheit in diesem Bereich auch sehr im Auge des Betrachters liegt, kann ich natürlich keine Farbe empfehlen oder sowas.

Was ich aber sagen kann, ist, dass es meistens eine ganz gute Wirkung hat, die gleiche Farbe an verschiedenen Stellen einzubringen, z.B. indem man sich bei der Wechselbepflanzung an der Laubfarbe der Rahmenbepflanzung orientiert. Man kann aber auch mit starken Kontrasten arbeiten. Ein rotlaubiger Fächerahorn, unterpflanzt mit kräftig gelbem Euonymus, ist beispielsweise ein ziemlicher Hingucker. Wichtig ist nur aufzupassen, dass die ganze Sache nicht zu bunt wird. Ein Grab ist ja schließlich keine Kirmes.

Die Auswahl der Pflanzen

Man kann auf eine Grabstätte theoretisch alles pflanzen, was es so gibt. Das machen auch Viele. Hinterher wird es dann aber ziemlich teuer, wenn die kleine 30cm Scheinzypresse, die man damals gepflanzt hat, irgendwann auf einmal 10m hoch ist und man zusehen muss, wie man sie wieder weg bekommt. Eine der wichtigsten Eigenschaften, die eine Pflanze für die Grabgestaltung haben sollte, ist deshalb, dass sie möglichst klein bleibt. Inzwischen gibt es aber auch eine riesige Auswahl von kleinwüchsigen Sorten aller möglichen Gehölze. Man muss sich nur ein bisschen erkundigen, anstatt einfach das nächstbeste Grünzeug im Baumarkt zu kaufen.

Ansonsten muss man sich bei der Auswahl nur noch am jeweiligen Standort orientieren, also ob die Grabstätte eher sonnig, halbschattig oder schattig gelegen ist. Den Boden kann man dann entsprechend bearbeiten und anpassen. Was man dabei beachten muss, erkläre ich im Bereich "Garten".

Da das Angebot an verschiedenen Gehölzen viel zu groß ist, als dass ich alle aufzählen könnte, gebe ich dazu nur noch den ganz allgemeinen Tipp, möglichst heimische Arten zu verwenden. Die haben in unserem Klima keine Probleme und fügen sich gut in den ökologischen Kreislauf ein.

Bei Bodendeckern und Formgehölzen ist die Auswahl schon etwas begrenzter. Dazu habe ich hier eine kleine Übersicht erstellt. Das ist bei weitem keine vollständige Liste, aber sie umfasst schon mal so die typischen Pflanzen, die einem auf dem Friedhof häufiger begegnen und mit denen ich bisher gute Erfahrungen gemacht habe.

Symbolik der Pflanzen

Genauso wie bestimmte Farben für etwas stehen können (Weiß ist die Unschuld, Rot die Liebe usw.), haben sehr viele Pflanzen, die bei der Grabgestaltung eingesetzt werden, auch eine gewisse Symbolik, die man mal mehr, mal weniger gut nachvollziehen kann. Dass beispielsweise Rosen ein Symbol der Liebe sind, ist wahrscheinlich für niemanden überraschend. Weniger bekannt ist vielleicht, dass Gänseblümchen als Symbol der Bescheidenheit gelten oder Haselnusssträucher als Symbol der Weisheit. Eine ziemlich umfangreiche Liste dazu habe ich hier zusammengestellt. Solche Symbolpflanzen sind die einfachste Möglichkeit, eine Verbindung zwischen Grabstätte und Verstorbenem herzustellen. Dafür werden sie auch schon sehr lange auf Friedhöfen benutzt.

Übrigens gilt Herbstlaub auch als Symbol für Vergänglichkeit. Das ist zwar relativ offensichtlich, aber ich finde, es sagt auch etwas darüber aus, wie wir als Gesellschaft mit diesem Thema umgehen. Früher war es ganz normal, dass im Herbst eben die Blätter runter fallen. Da hat sich keiner drüber aufgeregt. Heute kratzen alle ganz akribisch die letzten Laubblätter aus den hintersten Ecken, weil es als eine Art Dreck oder Verschmutzung wahrgenommen wird. Dann hört man als Friedhofsgärtner ständig so Fragen wie "können sie den Baum nicht einfach weg machen?". Gerade mitten im Herbst liegt ja auch Allerheiligen, wo alle ihre Grabstätten möglichst "sauber" ihren Familien präsentieren wollen. Das aber nur als kleiner Denkanstoß am Rande.

Manche fragen sich jetzt vielleicht, welchen Sinn so eine Symbolik überhaupt hat, wenn sie ja doch keiner erkennt. Im Endeffekt muss jeder selbst entscheiden, ob es ihm reicht, diesen Zusammenhang eben nur selber zu sehen, wenn man vor dem Grab steht. Will man das Leben und den Charakter des Verstorbenen auch nach außen sichtbar widerspiegeln, muss man natürlich etwas tiefer in die Trickkiste greifen.

Persönliche Gegenstände

Früher oft sogar verboten - heute gar nicht mehr so ungewöhnlich. Man kann so ziemlich alles, was man mit einer Person in Verbindung bringt, auch in die Grabgestaltung mit einbauen. Das kann ein bestimmtes Stofftier sein, das man an einer regengeschützten Stelle platziert oder auch etwas abstrakteres, wie etwa ein paar Billardkugeln, die man einfach ins Blumenbeet mit einbaut, wenn das das größte Hobby des Verstorbenen war. Eigentlich sind der Phantasie da kaum Grenzen gesetzt. Allerdings ist in diesem Bereich weniger oft mehr. Gestalterisch geht es eher darum, einzelne Akzente zu setzen. Wenn man die ganze Grabstätte mit so etwas voll stellt, sieht sie hinterher nur noch chaotisch aus. Eine Grabstätte soll aber in erster Linie immer eine gewisse Ruhe ausstrahlen. Außerdem sollte man natürlich nur Gegenstände auswählen, die eher ideellen Wert haben. Eine goldene Taschenuhr wird in einer öffentlichen Grünanlage nicht lange da bleiben, wo man sie hingelegt hat.

Die Grabstätte als Spiegelbild des Lebens

Hier sind wir dann schon in der gehobenen Klasse der Grabgestaltung. Da ist vor Allem Kreativität gefragt. Leider liegt es in der Natur der Sache, dass ich hier keine pauschalen Tipps geben kann, weil sich die gesamte Gestaltung am individuellen Charakter des jeweiligen Verstorbenen orientiert. Ein bisschen Inspiration und eine Vorstellung davon, worum es dabei im Prinzip geht, findet man vielleicht hier. Wichtig ist aber, dass man die geltenden Vorschriften auf dem jeweiligen Friedhof kennt. Das Beispiel mit dem Angler finde ich z.B. etwas fragwürdig. Besonders, wenn man die ganze Fläche einer Grabstätte mehr oder weniger luftdicht abdeckt, wird sich wahrscheinlich die Friedhofsverwaltung bei einem melden. Wenn so etwas nicht komplett verboten ist, werden in aller Regel zumindest erhöhte Gebühren fällig.

Wer eine Grabstätte auf diese Art gestalten möchte, muss natürlich einiges über den Verstorbenen wissen. Am besten macht man sich zunächst mal selbst Gedanken darüber, was der zentrale Aspekt ist, den man mit der Grabgestaltung widerspiegeln möchte. Erfahrene Friedhofsgärtner können eine große Hilfe sein, allerdings gibt es eine so umfassende Beratung i.d.R. nicht umsonst. Außerdem sind solche Grabstätten meistens auch recht pflegeintensiv, sodass früher oder später auch die Grabpflege durch den örtlichen Friedhofsgärtner nahe liegt.