Advanced Chemistry

So, hier wird die ganze Sache ein bisschen komplizierter. Auf dieser Seite versuche ich, die chemischen Vorgänge rum um Pflanzen und Boden im Detail zu erläutern und zwar so, wie Gärtner es in ihrer Ausbildung lernen. Dabei gehe ich mehr auf den Boden ein, als auf Prozesse innerhalb der Pflanze selbst. Ganz einfach, weil ich es für einen Gärtner nicht besonders wichtig finde, zu wissen, wie z.B. Photosynthese genau funktioniert oder sowas. Das schadet natürlich auch nicht, aber ein Hundebesitzer muss ja auch nicht wissen, wie genau die inneren Organe eines Hundes funktionieren. Er muss nur wissen, was man mit einem Hund machen muss und was er so frisst. Dieser Bereich, übertragen auf Pflanzen, ist meiner Meinung nach erst mal kompliziert genug. Es wird teilweise arg theoretisch und insgesamt ziemlich umfassend, aber ich versuche es trotzdem möglichst einfach und verständlich darzustellen. Man muss das alles nicht unbedingt verstehen muss, um einen Garten erfolgreich zu bewirtschaften, aber es schadet definitiv nie, etwas mehr zu wissen. Außerdem würde ich persönlich allen, die diese Inhalte nicht verstehen, grundsätzlich davon abraten, mineralische Dünger oder auch organische Volldünger einzusetzen. Ansonsten steht man hinterher vor irgendwelchen dahinsiechenden Pflanzen und hat keine Ahnung, was da eigentlich passiert.

Es gibt auch alternative Konzepte im Gartenbau, die komplett ohne diese ganze Theorie auskommen. Dabei muss man allerdings wiederum viele andere Dinge beachten, wenn man damit Erfolg haben will. Hobbygärtner sind damit häufig noch eher überfordert und hinterher sind sie dann meist nur enttäuscht, weil es nicht so geklappt hat, wie sie sich das vorgestellt haben. Deshalb beschränke ich mich hier vorerst auf die herkömmliche Herangehensweise.

Die Nährstoffe

Fangen wir mal an mit den Hauptnährstoffen. Das sind die Nährstoffe, die ein Organismus in größeren Mengen benötigt, um richtig zu funktionieren. Bei Menschen wären das z.B. Kohlenhydrate, Fette, Proteine und auch ein paar Mineralstoffe, wie etwa Calcium.

Bei Pflanzen sind die Nährstoffe grundsätzlich alle mineralisch. In die Kategorie Hauptnährstoff fallen diese 6 Elemente:

1. Stickstoff (N)

2. Phosphor (P)

3. Kalium (K)

4. Magnesium (Mg)

5. Calcium (Ca)

6. Schwefel (S)

Die gute Nachricht ist, dass man sich als Gärtner um die letzten beiden schon mal keine großen Gedanken machen muss, weil die eigentlich so ziemlich überall ausreichend vorhanden sind. Das gleiche gilt im übrigen auch für die Spurenelemente. Das sind die Nährstoffe, die nur in geringen Mengen benötigt werden: Eisen (Fe), Mangan (Mn), Kupfer (Cu), Zink (Zn), Bor (B), Molybdän (Mo) und Chlor (Cl). Sich damit eingehender zu beschäftigen, lohnt sich eigentlich nur für Produzenten, die ihre Erträge maximieren wollen. Da diese Seite sich aber vor Allem an Anfänger und interessierte Hobbygärtner wendet, werde ich diesen Bereich erst mal konsequent ignorieren.
Es kommt zwar durchaus nicht selten vor, dass Pflanzen einen Mangel an bestimmten Spurenelementen haben (z.B. haben Rhododendren oft Eisenmangel), das liegt jedoch fast nie daran, dass wirklich der Nährstoff im Boden fehlt, sondern eher an einem falschen pH-Wert. Aber dazu später mehr. Beschäftigen wir uns erst mal mit den wichtigsten vier Hauptnährstoffen.

Welche Nährstoffe brauchen Pflanzen wann und wofür?

N - Stickstoff

N (engl. Nitrogen) ist ein Bestandteil von Aminosäuren, den Grundbausteinen des Lebens, und damit sicherlich ein sehr wichtiger Nährstoff. Ohne N kein Wachstum. Ganz einfach. Das ist auch das deutlichste Symptom eines N-Mangels bei Pflanzen. Das Problem ist nur, dass zu viel N Pflanzen auch wieder schadet. Bei einem Überangebot können sie zwar sehr schnell wachsen und kriegen teilweise große, sattgrüne (z.T. sehr dunkelgrüne) Blätter, aber der Haken an der Sache ist, dass das Gewebe dann sehr weich ist und damit ein gefundenes Fressen für jeden Schädling und jeden Krankheitserreger, der zufällig vorbeikommt. Auch Kälte bzw. Frost machen solchen Pflanzen deutlich mehr Probleme.

Pflanzen brauchen also während der Wachstumszeit (Vegetationsphase) eine möglichst konstante, gut dosierte N-Versorgung. Gegen Ende der Vegetationsperiode dagegen, wenn es langsam auf Herbst und Winter zugeht, sollte das Angebot an N zurück gehen, damit das vorhandene Gewebe eher "abhärtet" und nicht noch neue, weiche Triebe gebildet werden, die sowieso nur Frostschäden erleiden werden.

P - Phosphor

P ist ein weiteres sehr zentrales Element in der Physiologie aller Lebewesen. Es ist nämlich u.a. wichtiger Bestandteil von Nukleinsäuren (DNS oder RNS hat bestimmt jeder schon mal gehört) und dem Energieträger ATP (erkläre ich hier nicht im Detail, wer möchte: Wikipedia). P-Mängel sind allerdings eine extreme Ausnahme, die meisten Gartenböden haben eher einen zu hohen P-Gehalt. Theoretisch würde ein Mangel zu einem Wachstumsstopp führen, den Pflanzen aber lange aushalten, ohne ernsthafte Schäden zu nehmen. Ein Überangebot hat auch keine drastischen direkten Folgen für eine Pflanze. Indirekt erzeugt es aber das Problem, dass wiederum alle anderen Nährstoffe schlechter verfügbar sind.

Genau wie N, wird auch P während der gesamten Vegetationsperiode benötigt, um das Wachstum einer Pflanze zu gewährleisten.

K - Kalium

K hat eine relativ spezielle Rolle innerhalb des pflanzlichen Organismus. Es wird nicht irgendwo "eingebaut", sondern von der Pflanze dazu benutzt, ihren Wasserhaushalt zu kontrollieren, indem es die Salzkonzentration innerhalb der Zellen verändert. Das führt auch zu einer besseren Frostresistenz, einfach weil der Gefrierpunkt von Wasser immer niedriger wird, je mehr Salz man rein mischt. Ein K-Mangel führt entsprechend dazu, dass Wasser schlechter aufgenommen und gespeichert werden kann und Pflanzen irgendwann beginnen (angefangen an älteren Blättern) zu verwelken. Außerdem sind Pflanzen mit schlechter K-Versorgung im Herbst und Winter sehr anfällig für Kälte und Frost. Zuviel K im Boden bringt dagegen "nur" das Problem mit sich, dass die Salzkonzentration insgesamt ziemlich hoch ausfällt. Das macht Pflanzen je nach Art mehr oder weniger aus, je nachdem wie salzempfindlich sie eben sind.

K wird nicht nur während der Wachstumsperiode benötigt, sondern sollte (im Gegensatz zu den anderen Nährstoffen) auch im Spätsommer bzw. Herbst noch nachgeliefert werden, um den Pflanzen das Überwintern leichter zu machen.

Mg - Magnesium

Mg ist zentraler Bestandteil von Chlorophyll (das Grüne, das Photosynthese macht). Außerdem ist es wichtig für sehr viele komplizierte Vorgänge innerhalb der Pflanze, die nur Biologen im Detail interessieren (z.B. Phosphorylierung und sowas). Bei Mg-Mangel entwickeln Pflanzen Chlorosen. Das bedeutet die grüne Farbe verschwindet von den Blättern, sie werden erst gelb und irgendwann schwarz (Nekrose = tot). Das gleiche passiert auch bei Eisenmangel. Unterscheiden kann man die beiden daran, dass bei Mg-Mangel zuerst die älteren Blätter chlorotisch werden, bei Eisenmangel zuerst die jüngeren, weil Eisen schwerer innerhalb der Pflanze zu transportieren ist. Ein zu hoher Mg-Gehalt des Bodens aüßert sich meistens dadurch, dass Pflanzen Mängel an anderen Nährelementen zeigen, vor Allem Calcium und Kalium. Das schadet besonders den Wurzeln und dem Wasserhaushalt.

Ein gleichmäßiges Mg-Angebot sollte deshalb das ganze Jahr über vorhanden sein.

...und wie viel?

Natürlich hat jede Pflanze, wie immer, ihre ganz eigenen Ansprüche, aber die kann sich erstens sowieso keiner alle merken und zweitens macht es auch überhaupt keinen Sinn, das Verhältnis für jedes kleine Stiefmütterchen extra anzupassen, weil sich im Boden ja alles verteilt und vermischt. Mit anderen Worten: Ich kann nicht an einer Stelle extrem N-betont düngen, einen Meter weiter für andere Pflanzen weniger N- und mehr K-Dünger ausbringen und dann erwarten, dass die Nährstoffe alle brav da bleiben, wo ich sie haben möchte. Außerdem liegen die genauen Ansprüche der allermeisten Pflanzen auch nicht so weit auseinander, was das reine Verhältnis der einzelnen Nährelemente zueinander angeht.

Deshalb richtet man sich im Garten ganz einfach nach dem sogenannten "allgemeinen Bedarfsverhältnis", das man im größten Teil des Gartenboden anstrebt (abgesehen vielleicht von bestimmten Beeten, aber dazu später mehr):

Dabei fällt erst mal auf, dass da nicht einfach nur P für Phosphor steht oder K für Kalium, sondern irgendwelche chemischen Verbindungen, die versuchen, das Ganze komplizierter aussehen zu lassen, als es eigentlich sein müsste. Das absurde daran ist, dass diese Verbindungen für Pflanzen auch noch völlig uninteressant sind. Aber genau in der Form stehen die Nährstoffangaben auch auf jedem Dünger und in sämtlichen Kulturanleitungen für Pflanzen. Es sind also praktisch die Einheiten für die jeweiligen Nährstoffe.
Im Endeffekt ist das einfach so eine Art historisches Überbleibsel, mit dem wir wohl leben müssen. In grauer Vorzeit meinte irgendein Chemiker, das wären die Verbindungen, auf die es für Pflanzen ankommt. Dann hat man die halt auf alle Dünger so drauf gedruckt und jeder Gärtner und jeder Landwirt hat es so gelernt. Heute weiß man, dass das eigentlich Quatsch ist, aber man geht davon aus, dass alle total durcheinander kommen würden, wenn man es jetzt auf einmal ändern würde, weil dann die Mengen anders verteilt wären. Also lässt man einfach alles so, wie es ist, und die Dünger- und Pflanzenproduzenten rechnen die tatsächlichen Nährstoffgehalte immer noch in diese veralteten Formeln um und drucken sie weiter so auf ihre Produkte, damit die doofen Gärtner nichts neues lernen müssen. Nehmen wir das also einfach mal so hin.

Um jetzt dieses Verhältnis zu irgendwas gebrauchen zu können, teilt man Pflanzen grob in 3 Kategorien ein, denen man einen bestimmten "Sollwert" an N zuordnet:

Pflanzen mit geringem Nährstoffbedarf benötigen etwa 4g N pro m² im Jahr.

Pflanzen mit mittlerem Nährstoffbedarf benötigen etwa 8g N pro m² im Jahr.

Pflanzen mit hohem Nährstoffbedarf benötigen etwa 12g N pro m² im Jahr.

Noch höheren Bedarf hat außerhalb dieser Kategorien z.B. ein Spiel- oder Strapazierrasen mit etwa 20g N pro m² im Jahr.

Die übrigen Nährstoffe lassen sich nun mit Hilfe des allgemeinen Bedarfsverhältnisses errechnen.

Beispiel:

Pflanzen mit mittlerem Nährstoffbedarf benötigen im Jahr pro m² 8g N, also auch:

8g * 0,2 = 1,6g P2O5

8g * 1-1,2 = 8-9,6g K2O und

8g * 0,3 = 2,4g MgO

So weit, so gut. Wer jetzt aber losgeht und genau diese Menge als Dünger ausbringt, macht einen großen Fehler. Ein bisschen komplizierter wird's nämlich schon noch, denn im Boden sind ja auch schon Nährstoffe vorhanden, die man natürlich berücksichtigen muss, wenn man nicht "überdüngen" will (das mögen Pflanzen so gar nicht). Um diesen Gehalt des Bodens erst mal festzustellen, gibt's zwei Möglichkeiten: Entweder man hat zufällig Zugang zu einem gut ausgestatten Labor und analysiert das Ganze selbst oder man nimmt eine Bodenprobe und schickt sie an die LUFA (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt). Das ist gar nicht so aufwändig, wie man zuerst denkt, und kostet gerade mal 20€ für die Standarduntersuchung. Es reicht auch völlig, das einmal zu machen, bevor man einen Garten neu gestaltet und sonst vielleicht alle 3-5 Jahre mal, einfach um sicher zu gehen, dass alles noch in Ordnung ist. Der pH-Wert wird ganz nebenbei auch noch mitbestimmt. Eine gute Anleitung zur richtigen Entnahme der Probe gibt es hier bei der Landwirtschaftskammer.

 

Allerdings ist in der Standarduntersuchung nicht die Messung des N-Gehaltes dabei. Die ist nämlich ein Sonderfall, weil der Gehalt stark variiert, besonders bei Temperaturschwankungen, denn N wird durch Zersetzung von Humus andauernd freigesetzt, aber z.T. bei Regen auch relativ schnell wieder ausgewaschen. Man kann für nochmal 10€ extra auch den Gehalt an mineralischem und "leicht mineralisierbarem" N messen lassen. Das nennt sich dann Nmin-Untersuchung, ist aber doch schon umständlicher, weil man die Probe von der Entnahme an bis zur Analyse permanent unter 5°C gekühlt halten muss. Dafür gibt es aber auch die Alternative, den Gehalt mit Nitratschnellteststreifen einfach selbst zu bestimmen. Nicht ganz so genau, aber für den Hausgebrauch meiner Meinung nach ausreichend.

Erst wenn man dann das Ergebnis der Analyse(n) vorliegen hat, sollte man überhaupt anfangen, sich Gedanken darüber zu machen, ob und wie viel man womit düngt.

Der Sonderfall N und die Mineralisierung

Bei den meisten Nährstoffen lässt sich der Gehalt des Bodens relativ gut konstant halten. Gerade beim Stickstoff ist die Sache aber leider etwas komplizierter. An der Stelle kommen wir leider ohne ein paar chemische Formeln nicht weiter. Unsere Nährstoffe liegen nämlich nicht einfach als einzelne, umherschwirrende N-Teilchen (oder P-, K-, Mg- oder sonstwas-Teilchen) im Boden vor, sondern eingebaut in bestimmte Verbindungen. N zum Beispiel kommt vor in

Ammonium - NH4+

Nitrat - NO3-

Nitrit - NO2-

und noch etlichen anderen, die uns aber erst mal nicht interessieren müssen. Die beiden, die Pflanzen aufnehmen können, um sich mit N zu versorgen, sind Ammonium (NH4+) und Nitrat (NO3-). An der Stelle schon mal im Hinterkopf behalten: Das Eine ist positiv geladen, das Andere negativ. Das wird gleich wichtig. Ammonium entsteht, wenn organisches Material, also Humus, im Boden zersetzt wird. Das nennt man Mineralisierung und es ist erst mal wünschenswert. Allerdings hören die Mikroorganismen an der Stelle noch nicht auf, sondern bearbeiten das Ganze noch weiter. Aus dem Ammonium machen sie Nitrit, das niemand haben will, und daraus dann Nitrat. Für diesen Vorgang gibt es auch wieder einen komplizierten Namen, und zwar Nitrifizierung. Die ist auf den ersten Blick ok, weil Pflanzen ja auch das Nitrat wieder aufnehmen können. Das Problem ist nur, dass Nitrat negativ geladen ist. Jetzt verhält es sich leider so, dass die Partikel im Boden, die Nährstoffe festhalten und speichern (Kolloide), das nur mit positiven Teilchen machen können, weil sie selbst negativ geladen sind. Das funktioniert im Prinzip nicht viel anders als ein Magnet. Unterschiedliche ziehen sich an, Gleiche stoßen sich ab. Die Nährstoffe, die also in negativ geladener Form vorliegen (wie eben Nitrat, NO3-), werden dann, wenn es genug regnet, einfach ab ins Grundwasser gespült und sind erst mal weg. Man kann also schlecht einen Vorrat in dem Sinne anlegen.

Für uns als Gärtner bedeutet das, dass der Stickstoffgehalt im Boden die ganze Zeit etwas schwankt, je nachdem, wie viel die Mikroorganismen arbeiten (deshalb muss die Probe bei einer Nmin-Untersuchung auch gekühlt werden) und wie das Wetter ist. Im Optimalfall wollen wir, dass die Mineralisierung ununterbrochen stattfindet, damit andauernd eine kleine Menge an Nährstoffen aus dem Humusvorrat neu freigegeben wird. Also versuchen wir, dem Boden die optimalen Bedingungen dafür zu ermöglichen:

- eine gute Durchlüftung (die Mikroorganismen brauchen Sauerstoff)

- eine gewisse Grundfeuchtigkeit (Grundbedingung für Bodenleben)

- einen pH-Wert, der optimaler Weise um 6-6,5 rum liegt

- eine Temperatur von etwa 20°C (zugegeben: Darauf haben wir wenig Einfluss) und

- genug organisches Material als Ausgangsstoff, am besten mit einem möglichst engen C/N-Verhältnis

Das bringt uns auch gleich zum nächsten Thema.

Das C/N-Verhältnis und die N-Sperre

Das C/N-Verhältnis eines Materials gibt ganz einfach an, wie viele Teile Kohlenstoff (C) im Verhältnis zu den Teilen Stickstoff (N) enthalten sind. Das ist deshalb wichtig, weil sich die Mikroorganismen, die das Ganze zersetzen, ziemlich schnell vermehren, wenn sie viel C bekommen. Klingt erst mal positiv. Allerdings bauen die dabei auch immer ein bisschen N in ihre Nachkommen mit ein. Das bedeutet, wenn zu viel C zur Verfügung steht, aber gleichzeitig nur begrenzt N, schnappen sich die vielen Mikroorganismen das ganze N weg und die Pflanzen gehen erst mal leer aus. Das ist dann die berüchtigte N-Sperre. Also sollte man beim Einarbeiten von organischem Material immer auf dieses C/N-Verhältnis achten. Als optimal kann man ein Verhältnis von etwa 20 : 1 ansehen. Bringt man Material mit zu weitem Verhältnis aus, sollte man es entweder mit etwas mischen, das ein engeres Verhältnis aufweist, oder zusätzlich N-Dünger ausbringen, um das Verhältnis wieder auszugleichen. Zur Übersicht hier mal ein paar Werte von verschiedenen Materialien:

Harn 0,8 : 1
Kot

6-10 : 1

Rasenschnitt

10-15 : 1

Kaffeesatz

~ 20 : 1

Küchenabfälle

20-25 : 1

Schwarztorf

30-40 : 1

Laub

30-50 : 1

Stroh

50-150 : 1

Strauchschnitt

100-200 : 1

Nadeln (von Nadelbäumen)

~ 120 : 1

Rindenmulch

250-500 : 1

Sägemehl

250-500 : 1

Papier/Pappe

> 400 : 1

Das Problem mit zuviel P

Das zweite Nährelement, das uns das Leben ein bisschen schwerer macht, ist der Phosphor. Dabei sieht man am allgemeinen Bedarfsverhältnis sofort, dass man davon so viel gar nicht braucht. In der Natur kommt mineralischer Phosphor im Boden auch nicht gerade in rauen Mengen vor. Deshalb sind Pflanzen an P-Mängel generell relativ gut angepasst und haben wenig ernsthafte Probleme damit. Klingt eigentlich ganz entspannt soweit. Das Problem ist aber auch nicht der Mangel, sondern der Überfluss. In der Realität enthalten nahezu alle Gartenböden zu viel P und das Zeug wird man überhaupt nicht mehr los. Dadurch werden alle anderen Nährstoffe im Boden praktisch verdrängt, weil es eine Art Konkurrenzsituation um die Speicherkapazität gibt.

 

Wenn aber in der Natur so viel Phosphor gar nicht vorkommt, wo kommt das ganze Zeug dann her? Die Antwort auf diese Frage ist mal wieder relativ kompliziert und einer der Hauptgründe, warum ich den meisten Leuten von Volldüngern abrate. Das sind Mehrnährstoffdünger, die praktisch ein Komplettpaket an Nährstoffen beinhalten. Einer der bekanntesten und meistbenutzten ist wohl "Blaukorn". Das ist ein blau gefärbtes Granulat, das es mittlerweile in den verschiedensten Zusammensetzungen gibt. Die Standardvariante enthält 12% N, 12% P2O5, 17% K2O und 2% MgO. Auf der Packung steht dafür einfach 12/12/17/2. Dieser Dünger wird von vielen Gärtnern als der klassische Standarddünger eingesetzt und empfohlen.

Wer sich noch an das allgemeine Bedarfsverhältnis erinnert, wird sich jetzt vielleicht Fragen: Ist das nicht 5mal so viel P2O5, wie eigentlich nötig ist? Tatsächlich wären 3% deutlich sinnvoller, wenn man diesen Dünger regelmäßig einsetzt (was genug Leute machen). Dafür ist er aber auch gar nicht gedacht.

Zunächst muss man wissen, dass von Phosphor, im Gegensatz zu anderen Nährstoffen, wenn man ihn als Dünger ausbringt, 80% erst mal im Boden in anderen Verbindungen "festgesetzt" werden. Nur etwa 20% stehen tatsächlich noch in dem Jahr, in dem es ausgebracht wird, auch den Pflanzen zur Verfügung. Im darauf folgenden Jahr werden nochmal etwa 10% des vorher festgesetzten Anteils frei und so weiter. Das bedeutet, wenn man von einem komplett leeren Boden ohne Nährstoffe ausgeht, macht der 12% P2O5-Anteil im Dünger plötzlich Sinn, denn die 20% davon, die direkt pflanzenverfügbar sind, sind wiederrum relativ genau die Menge, die nach dem Bedarfsverhältnis benötigt wird.

Das Problem entsteht erst dann, wenn man im nächsten Jahr den selben Dünger wieder benutzt und ein Jahr später schon wieder und immer so weiter. Es wird immer mehr P im Boden angereichert, der Großteil davon wird überhaupt nicht verwertet und bleibt die ganze Zeit festgesetzt.

Solche Volldünger (oder "Grunddünger") haben nur einen einzigen sinnvollen Verwendungszweck und der besteht darin, einen richtig nährstoffarmen Boden oder ein Topfsubstrat einmalig auf ein Niveau zu bringen, das für Pflanzenwachstum geeignet ist. Zumindest der P-Anteil muss bei Düngern, die regelmäßig auf dem selben Boden ausgebracht werden, deutlich niedriger sein, wenn man sich seinen Gartenboden nicht für die nächsten 10 Jahre im Voraus versauen will.

Das mit Abstand Sinnvollste ist aber sowieso eine gezielte Düngung mit Einnährstoffdüngern, die man je nach Bedarf sehr genau dosieren und beliebig kombinieren kann. Leider scheint das vielen Leuten irgendwie zu schwierig zu sein.

Pauschal würde ich also den meisten Gartenbesitzern einfach mal dazu raten, nur Dünger zu verwenden, die wenig oder gar kein P enthalten. Ganz besonders, wenn man auch Kompost verwendet, der enthält davon nämlich ohnehin mehr als genug.

Und wenn das nächste mal in irgendeiner Gartenzeitschrift wieder ein Artikel darüber auftaucht, wie toll und einfach das Düngen mit Blaukorn ist: Direkt ab in die Tonne und Abo kündigen!

Der Düngerdschungel

Dünger können flüssig sein oder fest, organisch oder mineralisch, sie können einen oder ganz viele Nährstoffe beinhalten, dann gibt es da auch noch Depotdünger und Dünger mit allen möglichen speziellen Zusatzstoffen. Weil sich in diesem Gewirr kaum ein Hobbygärtner richtig auskennt, kann man natürlich auch ganz gut daran verdienen, einfach überteuerte Spezialdünger, z.B. Rosendünger, Hortensiendünger oder was weiß ich was, zu verkaufen. Wenn man Vogelkacke loswerden will, schreibt man einfach Guano drauf und noch ganz fett den Hinweis "organisch". Das klingt so nach "Bio", verkauft sich bestimmt gut. Das ist zwar eine schlaue Marketingstrategie, aber ansonsten nicht wirklich hilfreich. Deshalb versuche ich hier mal ein paar Bildungslücken zu schließen.

Fest oder Flüssig

 

Die meisten Dünger, die man im Garten so einsetzt, sind Feststoffdünger. Da hat man dann ein Granulat, Pellets oder manchmal auch ein Pulver, das man einfach verstreuen kann. Die Nährstoffe da drin unterscheiden sich erst mal nicht von denen in einem flüssigen Dünger. Der Hauptunterschied ist, dass ein Flüssigdünger leichter wasserlöslich ist. Was jetzt mit den beiden unterschiedlichen Düngern passiert, wenn es regnet, kann sich wahrscheinlich jeder vorstellen. Man kann das vielleicht einfach mit Zucker vergleichen. Es gibt Kandis (Pellets oder Granulat), dann raffinierten Zucker (Pulver) und flüssigen Sirup (Flüssigdünger). Wenn ich mir davon jeweils eine kleine Menge vorstelle, über die ich dann eine Kanne Wasser auskippe, wird beim Kandis ein bisschen was von der äußeren Schicht abgelöst, beim raffinierten Zucker löst sich zumindest ein großer Teil schnell im Wasser und der Sirup ist einfach ganz weg.

Demnach macht Flüssigdünger auf den ersten Blick wenig Sinn. Was soll man mit einem Dünger, der bei einem starken Regen einfach weg gespült wird? Die Frage ist zwar berechtigt, stellt sich aber nur bei Pflanzen, die auch wirklich dem Wetter ausgesetzt sind. Bei Topfkulturen oder Zimmerpflanzen spielt das überhaupt keine Rolle. Da haben Flüssigdünger Vorteile, die Feststoffdünger nicht haben. Sie können nicht nur über die Wurzeln, sondern auch über die Blätter aufgenommen werden (da ist die Dosierung sehr wichtig, sonst kommt es leicht zu Salzschäden). Das Ganze wirkt dann auch ziemlich schnell, weil alles direkt da ankommt, wo es hingehört und nicht erst innerhalb der Pflanze herum transportiert werden muss. Davon abgesehen kann man Flüssigdünger sehr genau dosieren und einfach mit dem Gießwasser mischen.

Daraus kann man als Faustregel folgern: Draußen Feststoff-, drinnen Flüssigdünger.

mineralisch oder organisch

Der Begriff "organisch" an sich wird oft grundsätzlich als eine positive Eigenschaft wahrgenommen. Im englischsprachigen Raum steht auch auf dem, was bei uns "Bio"-Lebensmittel sind, immer "organic" drauf. Das scheint also irgendwas miteinander zu tun zu haben. Aber fangen wir erst mal wieder von vorne an. Grundsätzlich sind alle Nährstoffe, die eine Pflanze aufnimmt, immer mineralisch. Es sind auch immer die gleichen chemischen Verbindungen, andere funktionieren nicht. Beim Beispiel N wären das, wie oben schon erwähnt, Ammonium (NH4+) und Nitrat (NO3-).

Bei mineralischem Dünger sind die jetzt in Salze eingebaut, bei organischen eben in organische Verbindungen. Einer Pflanze ist das erst mal völlig egal, die kann sowieso nur warten, bis ihr irgendjemand daraus entweder NH4+ oder NO3- macht und vor die Nase (bzw. Wurzel) hält. Das wiederum macht bei Salzen einfach das Wasser, z.B. wenn es regnet. Bei organischen Verbindungen müssen das Bakterien oder andere Lebewesen machen. Das ist eigentlich schon alles. Welche Unterschiede sich jetzt daraus ergeben, lässt sich ganz gut in einer Tabelle gegenüber stellen:

Aus irgendeinem Grund behandeln jetzt aber viele Leute mineralische Dünger fast wie Gift oder Pestizide und meinen, wenn man z.B. Gemüse anbaut, sollte man nur organisch düngen, damit auch alles "Bio" ist. Da besteht aber überhaupt kein Zusammenhang. Die chemischen Endprodukte im Boden sind immer die gleichen und das, was eine Pflanze oder auch ein Lebensmittel hinterher enthält, ist genauso exakt das selbe, egal welche Art von Dünger man benutzt hat. Die einzigen, für die es einen Unterschied macht, sind die übrigen Bodenlebewesen.
Worüber man diskutieren kann ist vielleicht, ob es ökologisch so sinnvoll ist, mineralische Dünger durch industriellen Bergbau oder energieaufwändige Verfahren zu gewinnen, während organische sich ja einfach aus Biomasse herstellen lassen. Allerdings muss man dann auf der anderen Seite auch hinterfragen, woraus wohl beispielsweise das ganze Knochen-, Tier- oder Blutmehl gewonnen wird, das in organischen Düngern drin steckt. Ich bin mir nicht sicher, ob man da beispielsweise als Vegetarier nicht eigentlich drauf verzichten müsste. Für Veganer dürften dann technisch gesehen fast alle organischen Dünger wegfallen, außer vielleicht Brennnesseljauche. Das kann aber jeder für sich selbst entscheiden.

Zusammensetzungen gibt es bei mineralischen so ziemlich alle, die man sich vorstellen kann. Bei organischen sieht das etwas anders aus, weil es eben "Naturprodukte" sind. Deshalb habe ich hier mal eine kleine Übersicht über verschiedene rein organische Dünger zusammen gestellt, damit man eine Vorstellung davon bekommt, was so geht und was nicht.

Depotdünger

Weil Menschen von Natur aus faul sind, gibt es natürlich auch Alternativen für alle, die keine Lust haben, ständig mit Dünger rum zu hantieren. Die können einfach einen Depotdünger nehmen und haben erst mal Ruhe. Solche Depotdünger sind in der Regel nichts anderes als ein "normales" Mineraldüngergranulat, bei dem die einzelnen Kügelchen einfach in einen Kunststoff eingepackt werden, der im Lauf der Zeit langsam bestimmte Mengen des Düngers durchlässt. Auf der Packung steht dann meistens irgendwo 3M oder 6M oder sowas. Das bedeutet einfach, dass der Dünger darauf ausgelegt ist, in dem Fall 3 oder 6 Monate lang Nährstoffe zu liefern, bis er aufgebraucht ist. Das ist aber nur ein Durchschnittswert. So ganz genau kann man das nicht vorausberechnen, weil es auch immer von Temperatur und Niederschlag in diesem Zeitraum abhängig ist. So grob kommen die Angaben aber schon hin und es kann einem wirklich viel Herumgerechne und Arbeit ersparen. Die einzigen Nachteile daran sind vielleicht, dass sie etwas teurer sind und wenn man feststellt, dass man sie zu hoch dosiert hat, kriegt man sie schlecht wieder raus aus dem Boden.

Wer sowieso nur organische Dünger benutzt, braucht so etwas aber gar nicht. Die haben ja von Natur aus eine Art Depotwirkung.

mehr- oder einnährstoff

Schließlich und endlich kann man noch Mehr- und Einnährstoffdünger unterscheiden. Das ist relativ selbsterklärend, aber ich muss der Vollständigkeit halber nochmal ausdrücklich erwähnen, wie viel sinnvoller Einnährstoffdünger sind. Das geht auch ganz schnell anhand eines einfachen Beispiels:

Ich mache eine Bodenanalyse und stelle fest, ich muss 4g N pro m² düngen, P habe ich mehr als genug im Boden und dünge besser gar nicht nach, K brauche ich dagegen sehr viel, sagen wir 12g pro m².

Um das hinzubekommen, habe ich zwei Möglichkeiten. Ich kann mir einen Mehrnährstoffdünger suchen, der zufällig ein Verhältnis N : K von 1 : 3 hat und dabei gar kein P enthält, falls es so einen Dünger überhaupt gibt. Wenn ich ihn tatsächlich gefunden habe, bringe ich ihn erst mal aus und kann den Rest direkt in die Tonne kloppen, weil ich genau das gleiche Verhältnis wahrscheinlich nie wieder brauchen werde.

Die zweite Möglichkeit ist viel einfacher: Ich benutze einfach nur Einnährstoffdünger. Damit lässt sich das Verhältnis an absolut jede Situation ganz einfach anpassen und die sind dabei auch noch billiger.

Der pH-Wert

Das wohl meistgehasste Thema in sämtlichen Berufsschulen für Gartenbau. Leider aber auch sehr wichtig. Deshalb komme ich an dieser Stelle nicht drum 'rum, darauf noch ein bisschen genauer einzugehen, aber ich versuche, es kurz zu machen. Der pH-Wert beeinflusst zwei der wichtigsten Eigenschaften jedes Bodens maßgeblich: Die Struktur und die Verfügbarkeit von Nährstoffen.

Unter Bodenstruktur versteht man die Anordnung der einzelnen mineralischen Teilchen (also der Ton-, Schluff- oder Sandkörner) zueinander. Um sich das besser vorstellen zu können, kann man sich einfach einen Haufen Legosteine vorstellen. Man kann sie so zusammensetzen, dass da überhaupt keine Luft zwischen passt, wenn man sie richtig ineinander setzt. Man kann sie aber auch lose auf einen Haufen werfen und dazwischen ist noch massig "Freiraum", wo beispielsweise Luft zirkulieren oder Wasser fließen kann.

Diesen Unterschied macht im Boden der pH-Wert. Je höher der Wert, desto "loser" die Legosteine und desto mehr Zwischenräume zwischen den einzelnen Körnern.

Bei Sand hat man normalerweise mehr als genug davon. Da ist ein pH-Wert von 5 völlig in Ordnung. Hat man es dagegen mit einem schweren Lehmboden zu tun, sollte man besser so 6,5-7 anpeilen.

Als zweites beeinflusst der pH-Wert die Verfügbarkeit von Nährstoffen, weil sich je nachdem, wie sauer oder alkalisch ein Boden ist, ganz andere Verbindungen bilden. Das ist der Grund, warum jede Pflanzenart an einen bestimmten pH-Bereich angepasst ist und außerhalb dieses Bereichs Nährstoffmängel entwickeln kann, unabhängig davon, ob die Nährstoffe eigentlich im Boden vorhanden sind oder nicht. Nehmen wir als Beispiel mal den allseits beliebten und weit verbreiteten Rhododendron. Er ist von Natur aus an besonders saure Böden angepasst. In besonders sauren Böden ist Eisen sehr leicht für Pflanzen verfügbar (oder "erreichbar" wenn man so will), wenn es vorhanden ist. Daran ist er gewöhnt.

Verfügbarkeit von Nährstoffen nach Boden-pH-Wert*
Verfügbarkeit von Nährstoffen nach Boden-pH-Wert*

Je höher der pH-Wert eines Bodens wird, desto stärker steckt Eisen aber mehr oder weniger fest. Es ist zwar nur ein Spurenelement, also brauchen Pflanzen gar nicht besonders viel davon, und die meisten kriegen es ohne Weiteres hin, ihren geringen Bedarf zu decken, aber nicht unser verwöhnter, säureliebender Rhodo. Wenn man den in einen Boden mit pH-Wert über 5,5 setzt, ist egal, wie viel Eisen drin ist, er wird einen Mangel entwickeln. Dann greifen viele zu irgendwelchen speziellen Eisendüngern oder sowas. Das bringt auf Dauer aber überhaupt nichts. Das Einzige, was hilft, ist eine Veränderung des pH-Wertes.

Zur Messung des Wertes gibt es (neben der Bodenanalyse bei der LUFA) relativ kostengünstig Indikatorpapierstreifen. Von denen würde ich aber abraten, einfach weil sie ziemlich ungenau sind. Im nächstbesten Baumarkt bekommt man auch ein pH-Meter, das bedeutend genauere Ergebnisse liefert. Dabei sollte man von den ganz billigen Geräten für 20€ aber auch die Finger lassen. Ich würde da schon mal so um die 50-100€ einplanen, aber das ist ja auch eine einmalige Anschaffung.

Hat man den pH-Wert dann bestimmt, stellt sich nur noch die Frage, wie man ihn verändern kann.

Da Boden meistens mit der Zeit sowieso leicht versauert, muss man selten einen zu hohen pH-Wert aktiv senken. Wenn's aber doch mal sein muss, bietet es sich an, einfach ungekalkten Torf einzuarbeiten. Weißtorf liegt so im Bereich von 3-3,5 und Schwarztorf um 4-4,5. Will man auf Torf lieber verzichten, kann man aber auch einfach Sand nehmen, um den Boden insgesamt leichter zu machen, dadurch fördert man die Entkalkung. Auf Dauer führt auch das zu einem Absinken des pH-Wertes.

Erhöhen kann man den pH-Wert relativ einfach mit Kalk. Dazu bieten sich Brannt- bzw. Löschkalk bei eher schweren Böden an oder einfach wenn man's eilig hat und das Ganze ziemlich schnell wirken soll. Eine nicht ganz so schnelle, dafür aber nachhaltigere Wirkung haben dagegen kohlensaurer Kalk oder Hüttenkalk. Egal welche Art von Kalk man ausbringt, als Faustzahl kann man sich merken, dass man den pH-Wert des Bodens mit ungefähr 50g pro m² etwa um 0,5 erhöht.

m² in Töpfen?

Alle Überlegungen und vor allem die Berechnungen hängen irgendwie immer an m²-Angaben. Zieht man also Pflanzen in Töpfen groß, stellt sich die Frage: Wie viel m² hat z.B. ein 9cm-Topf? Es wäre natürlich super, wenn man das einfach mit irgendeiner Formel umrechnen könnte. Leider funktioniert das ganz so leicht aber nicht, weil ein Topf eben ein ganz anderes System ist, als der Boden im Freiland. Auch das allgemeine Bedarfsverhältnis können wir in diesem Bereich erst mal wieder vergessen. Wenn man sowieso nur eine bestimmte Pflanze pro Topf hat, ist es natürlich viel sinnvoller, den genauen Nährstoffbedarf der jeweiligen Art zu recherchieren (gelobt sei das Internet) und möglichst gezielt zu düngen.

Bei Topfkulturen wird in aller Regel auch nur Flüssigdünger eingesetzt. Dadurch, dass in Töpfen eben nur kleine Mengen an Substrat enthalten sind, haben kleinere Abweichungen von den benötigten Werten auch deutlich größere Auswirkungen, als im Freiland. Deshalb werden in relativ kurzen Abständen (meist etwa alle 2-3 Wochen) kleine Mengen Flüssigdünger einfach in das Gießwasser gemischt, damit das Niveau während der gesamten Kulturzeit relativ konstant ist.

Ich sage das fast ein bisschen ungern, aber ohne entsprechende Fachliteratur ist die nächstbeste Möglichkeit, um herauszufinden wie viel von welchen Nährstoffen eine bestimmte Pflanze so braucht, meiner Meinung nach Google. Dazu gibt man einfach den botanischen Namen der jeweiligen Pflanze und den Begriff "Kulturanleitung" ein und sucht sich ein halbwegs seriös erscheinendes Ergebnis heraus, am besten von einem Saatguthersteller oder Produktionsbetrieb. Irgendwo findet man dann auch Angaben, mit denen man etwas anfangen kann. Entweder sind das Mengenangaben von bestimmten Düngern, die man sich dann umrechnen kann, oder direkt Angaben in N, P2O5 und K2O, die sich auf jeden beliebigen Flüssigdünger übertragen lassen.

Einen Grundkurs in Mathematik biete ich hier nicht an, da muss ich einfach ein bisschen was voraussetzen, aber zum Verständnis, wie man mit diesen Werten umgeht, hier mal ein paar einfache Rechenbeispiele, damit da nichts schief geht:

 

In einer Kulturanleitung wird angegeben, dass alle 2 Wochen mit 240mg N gedüngt werden soll. Ich habe einen Dünger, da steht auf der Packung "6% N". Er enthält also 6mg N in 100mg Dünger. Von diesem Dünger muss ich demnach alle 2 Wochen

(100 / 6) * 240mg = 4000mg bzw. 4g ins Gießwasser mischen, um auf 240mg N zu kommen.

Manchmal findet man in Kulturanleitungen auch umgekehrt die Angabe, dass in diesem Beispiel eben 4g eines 6%igen N-Düngers benutzt werden sollen. Vielleicht habe ich aber zufällig einen Dünger mit 8% N irgendwo herum stehen. Dann muss ich natürlich einfach die ganze Rechnung umgekehrt machen:

4g eines 6%igen N-Düngers enthalten (6 / 100) * 4g N = 0,24g N bzw. wieder unsere 240mg.

So viel N soll ich also düngen. Um jetzt mit meinem 8%-Dünger auf die 240mg zu kommen, rechne ich dann im nächsten Schritt:

(240mg / 8) * 100 = 3000mg bzw. 3g.

Also mische ich davon eben 3g in mein Gießwasser. 

 

Wirklich wichtig sind bei der Flüssigdüngung von Topfkulturen übrigens fast nur N und K. Von den beiden sollte man möglichst immer Einnährstoffdünger da haben. Dadurch kann man einfacher und genauer dosieren. Das macht auch bei P noch Sinn, wobei davon nur geringe Mengen nachgedüngt werden müssen. Bei allen anderen Nährstoffen genügt es meistens, ganz am Anfang das Topfsubstrat einmalig zu düngen, um einen Vorrat für die gesamte Kulturzeit anzulegen. Dabei muss man natürlich darauf achten, welche Nährstoffe sowieso schon enthalten sind und diese entsprechend berücksichtigen. Das steht bei gekaufter Erde auch immer irgendwo auf der Packung und die Sollwerte bekommt man ebenfalls aus einer guten Kulturanleitung.

Bei Kübel- oder Zimmerpflanzen, die ihr ganzes Leben in so einem Gefäß verbringen, gilt das natürlich nicht. Die brauchen auf Dauer schon Nachschub von Allem.

So, das war's dann auch vorerst mit meinem kleinen Exkurs in die Chemie. Ich denke, wer diesen ganzen Batzen an Informationen verdaut hat, hat eine ganz gute Vorstellung davon, wie Boden funktioniert und was da drin so vor sich geht. Wer möchte, kann sich dann direkt für die Gesellenprüfung bei der nächstgelegenen Landwirtschaftskammer anmelden ; p