Alles über Kompost

Kompost kenne ich aus meinen frühen Kindheitserinnerungen noch als diesen stinkenden Haufen Biomüll irgendwo in der hintersten Ecke des Gartens. Wahrscheinlich geht es da vielen Leuten ähnlich. Dabei ist das eigentlich völliger Quatsch. Richtiger Kompost stinkt überhaupt nicht und als Müll würde ich ihn heute auch nicht mehr bezeichnen. Dafür ist er viel zu wertvoll.

Er enthält alle Nährstoffe und Spurenelemente, die Pflanzen so brauchen und ist die einfachste und beste Möglichkeit, den Humusanteil im Gartenboden zu erhöhen, was wiederum auf lange Sicht allen Gartenbewohnern (Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen) zu Gute kommt. Wer ausreichend guten Kompost selbst produziert, kann sich zusätzliches Düngen oft komplett sparen und braucht keine Erde mehr säckeweise aus dem Baumarkt schleppen. Dabei gibt es so viel gar nicht zu beachten, wenn es um die Frage geht, wie man's richtig macht. Ein kleines bisschen Hintergrundwissen und eine Portion gesunder Menschenverstand reichen völlig aus, um zu verstehen, wie so ein Komposthaufen eigentlich funktioniert.

Was darf rein und was nicht?

Das ist so ziemlich die häufigste Frage, wenn es um Kompost geht, und eigentlich ganz einfach zu beantworten: Alles aus organischer Substanz, das leicht zersetzt werden kann. Das einzige, was die Sache ein bisschen komplizierter macht, sind die paar Ausnahmen, die man sich eben merken muss. Hier hilft der eingangs erwähnte gesunde Menschenverstand.

Der gesamte Zersetzungsprozess, der im Komposthaufen stattfinden soll, wird von Lebewesen durchgeführt. Das bedeutet, dass schon mal alles, was Mikroorganismen oder Insekten schadet, nicht rein gehört. Schnittblumen aus fertig gekauften Blumensträußen sind beispielsweise oft voller Pestizide. Genauso die Schalen von Zitrusfrüchten oder Bananen.

Blätter von Pflanzen, die irgendwelche Krankheiten oder Schädlinge hatten, sollte man auch anderweitig entsorgen. Sonst verbreitet man die Krankheitserreger ja nur mit der neuen Erde weiter.

Gekochte Essensreste schaden eigentlich nicht, aber ich würde trotzdem davon abraten. Es sei denn, man möchte der örtlichen Rattenpopulation ein schönes neues zu Hause bieten.

Das war's dann aber auch schon. Aller übrige rein organische Abfall kann ohne Probleme im Kompost entsorgt werden. Dass dazu kein Hochglanzpapier oder irgendwelches lackiertes Zeug gehört, dürfte ja klar sein. Druckerschwärze von Zeitungspapier ist in kleinen Mengen aber kein Problem.

Wohin gehört der Komposthaufen?

Damit der Zersetzungsprozess richtig ablaufen kann, gibt es drei Grundbedingungen: Wärme, Wasser und Luftzirkulation.

Für die Wärme sorgen die Mikroorganismen in einem guten Kompost schon von alleine, ein bisschen Sonneneinstrahlung schadet aber nicht, wenn's im Winter richtig kalt wird. Der Standort sollte so gewählt werden, dass er möglichst nicht vor Regen geschützt ist. Außerdem sollte er einigermaßen frei stehen, damit die Luft zirkulieren kann. Benutzt man einen Behälter für den Kompost (z.B. einen Kasten o.ä.), darf dieser auf keinen Fall abgeschlossen sein. Ein Gitterkäfig oder Holzbohlen mit etwas Abstand dazwischen bieten sich beispielsweise an.

Ansonsten wäre nur noch zu erwähnen, dass er nicht etwa auf einer Pflasterfläche oder Steinplatten platziert werden sollte, sondern auf ganz normalem "Erdboden". Von da kommen nämlich die meisten Organismen, die das ganze Material zersetzen sollen.

Was passiert jetzt mit dem Kompost?

Im Komposthaufen siedeln sich alle möglichen Lebewesen an, die organisches Material in seine mineralischen Bestandteile zerlegen (Mineralisierung). Besonders wichtig sind Regenwürmer. Die kann man theoretisch zukaufen, aber man kann's auch einfach lassen und sie kommen von ganz alleine.

Außerdem spielen Mikroorganismen eine große Rolle. Die kann man mit bloßem Auge nicht sehen, aber dafür manchmal riechen. Sie lassen sich erst mal grob in zwei Gruppen aufteilen:

1. Die "Aeroben" leben da, wo es genug frische Luft gibt. Sie arbeiten relativ schnell und gründlich und machen einem keine Probleme. Die möchte man im Kompost haben.

2. Die "Anaeroben" leben da, wo es keine frische Luft gibt. Sie sind im wörtlichen Sinne faul, denn sie sind nicht nur verantwortlich für den typischen Fäulnisgestank, sondern arbeiten auch noch ziemlich langsam. Die möchte man nicht im Kompost haben.

Wenn man also keinen stinkenden Haufen Fäulnis haben will, muss man dafür sorgen, dass auch innerhalb des Komposthaufens noch genug Luftzirkulation stattfindet. Dafür ist es eigentlich nur nötig auf eine gute Mischung von grobem und eher feinem Material zu achten.

Kippe ich beispielsweise einfach jede Menge Rasenschnitt auf einen Haufen, wird das ganze anfangen, langsam vor sich hin zu gammeln und zu stinken wie Hulle. Mische ich dazwischen einfach ein bisschen grobes Material, wie Strauchschnitt z.B., kann auch im Inneren des Haufens genug Luft zirkulieren. Es entsteht keine Fäulnis, sondern nur Zersetzung durch aerobe Organismen, ganz ohne Gestank.

 

Als Faustregel kann man sich merken, dass man so ungefähr nach 6 Monaten den ganzen Haufen einmal umschichten sollte und "fertig" ist er dann nach nochmal 6 Monaten, also insgesamt nach rund einem Jahr. Dazu bietet sich eine Art "Zwei-Kammer-System" nach folgendem Schema an:

Die erste Kammer wird 6 Monate lang befüllt.

Nach den 6 Monaten wird am besten mit einer einfachen Mitgabel der ganze Haufen von oben nach unten in die zweite Kammer umgeschichtet. Die erste wird weiter mit den frisch anfallenden Abfällen neu befüllt.

Nach weiteren 6 Monaten ist der Kompost in der zweiten Kammer fertig und kann ausgebracht werden. Danach kann die erste direkt wieder in die jetzt leere zweite umgeschichtet werden und so weiter.

Wer einen kleinen Puffer einbauen will, kann auch eine dritte Kammer dazu nehmen, um fertigen Kompost noch ein bisschen zu lagern, bevor man ihn ausbringt. Das macht ihn aber nicht unbedingt besser und nimmt natürlich auch mehr Platz weg.

Was steckt da jetzt drin?

Kompost ist nicht nur einfach zum Herstellen oder Mischen von Erde geeignet, sondern hat auch eine Düngerwirkung als organisches Material, das relativ schnell zersetzt wird. Verwendet man also Kompost im Garten, muss man seine Inhaltsstoffe immer berücksichtigen, wenn man berechnet, wie viel man zusätzlich noch düngen sollte. So genau lässt sich natürlich pauschal nicht sagen, wie viel jetzt wirklich wovon drin ist, weil ja in jedem Komposthaufen anderes Ausgangsmaterial landet. Aber damit man eine grobe Vorstellung davon bekommt, gibt es zumindest diese Durchschnittswerte:

Durchschnittlicher Nährstoffgehalt von Gartenkompost*
Durchschnittlicher Nährstoffgehalt von Gartenkompost*

Wer sich darunter so gar nichts vorstellen kann, dem kann hier vielleicht weiter geholfen werden.

Zum Ausbringen wird eine dünne Schicht auf dem Boden verteilt und anschließend möglichst schonend (am besten mit einer Grabegabel) in die obere Bodenschicht eingearbeitet. Die ausgebrachte Menge in Litern pro m² entspricht dabei der Dicke der Schicht in mm. Also wäre beispielsweise eine 1mm dicke Schicht = 1l/m². Das bedeutet bei diesem Durchschnittskompost dann 0,75g N, 4g P 2O5, 9g K2O und 2g MgO pro m².


* Quellen: Durchschnittlicher Nährstoffgehalt von Gartenkompost (Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau)