Basics für Garten-Noobs

Ich kann aus Erfahrung sagen, dass viele Menschen, die in größeren Städten aufgewachsen sind, heute kaum noch Bezug zu Pflanzen oder Gärten haben. Woher auch? Für unsere Großeltern sind da viele Zusammenhänge selbstverständlich, die wir nie vermittelt bekommen haben. Damals gab's z.B. noch Kartoffelferien und es kam nur auf den Tisch, was die Saison gerade zu bieten hatte. Obst und Gemüse aus Eigenanbau waren lange ein wichtiger Bestandteil des täglichen Speiseplans. Deshalb gibt es hier in der Gegend auch so viele Schrebergärten.

Heute kriegen wir alles zu jeder Zeit im Supermarkt und müssen uns nicht selbst damit beschäftigen, wie man Pflanzen großzieht und vielleicht erntet oder was wann wo und wie lange wächst. Auch über Zierpflanzen weiß der durchschnittliche Stadtmensch heute wenig. Den meisten ist zumindest klar, dass man "Blumen" hin und wieder mal gießen muss und das war's dann auch. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon Sätze gehört habe, wie "Bei mir gehen Pflanzen irgendwie immer kaputt, ich hab da einfach kein Händchen für".

Im Folgenden will ich deshalb versuchen, die einfachsten Grundsätze des Umgangs mit allen Pflanzen ganz allgemein zu erläutern. Wer schon mal einen Spaten in der Hand hatte, kann diesen Teil wahrscheinlich überspringen.

Was braucht eine Pflanze?

Alle Pflanzen haben im Prinzip nur drei Grundbedürfnisse, um die man sich als Gärtner kümmern muss:

1. Licht

Jede Pflanze versucht von Natur aus immer an möglichst viel Licht zu kommen. Je nach Art vertragen aber manche mehr und manche weniger Sonnenlicht. Das kommt darauf an, an welchen natürlichen Standort sie angepasst sind. Unterschieden wird normalerweise zwischen den Kategorien "sonnig", "halbschattig" und "schattig".

2. Wasser

Wasser ist nicht nur für die Photosynthese wichtig, sondern verdunstet permanent an den Blättern einer Pflanze (Transpiration). Deshalb muss über die Wurzel andauernd für Nachschub gesorgt werden. Das Problem ist, dass zuviel Wasser genauso schädlich sein kann, wie zuwenig. Auch hier hat jede Pflanze ihre eigenen Bedürfnisse.
Ganz besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Auswahl der richtigen Erde, aber das ist wieder ein Thema für sich.

3. Nahrung

Die Wurzeln versorgen eine Pflanze nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Nährelementen (z.B. Stickstoff, Phosphor und noch etliche andere). Die braucht sie, um wachsen zu können. Hier kann man mit den unterschiedlichsten mineralischen oder organischen Düngern nachhelfen. Ökologisch sehr sinnvoll ist auch die Verwendung von Kompost.

Was hab ich damit zu tun?

Wenn wir wissen, was eine Pflanze braucht, stellt sich nurnoch die Frage, was wir als Gartenbesitzer oder Gärtner jetzt damit zu tun haben. Dafür gehe ich mal die Neupflanzung und Pflege einer Pflanze im Groben schrittweise durch.

1. Planung

Der erste und mit Abstand wichtigste Schritt bei jeder Pflanzung ist die Planung. Dazu muss man erst mal wissen, welche Pflanze wohin gehört und wohin nicht. Wenn man eine Pflanze kauft, ist meistens irgendwo ein kleines Etikett dran, auf dem der richtige Standort angegeben ist. Das lässt sich heutzutage aber auch relativ leicht für alle möglichen Arten im Internet recherchieren, wenn man den Namen der Pflanze kennt.

Wählt man einen falschen Standort aus, verringert man die Lebenserwartung einer Pflanze dramatisch. Bei zu viel Sonneneinstrahlung bekommen empfindliche Pflanzen nicht nur Probleme mit dem Wasserhaushalt, ähnlich wie Menschen können sie auch regelrechte Verbrennungen kriegen. Zu wenig Licht schwächt die Pflanze dagegen eher indirekt. Sie kann zu wenig Photosynthese betreiben, wächst kümmerlich und bildet lange Triebe mit wenigen Blättern. Außerdem ist sie deutlich empfindlicher gegenüber allen möglichen Krankheiten und Schädlingen.

Unterschiedliche Arten, die nebeneinander gepflanzt werden sollen, sollten zumindest annähernd den gleichen Boden-pH-Wert bevorzugen (lässt sich ebenfalls recht einfach recherchieren). Ansonsten wird sich mindestens eine von beiden auf Dauer nicht mit Nährstoffen versorgen können, ganz egal wie viel Dünger man drauf kippt.

Viele Probleme kann man sich auch ersparen, indem man von vornherein mit einplant, wie groß eine Pflanze noch wird. Man kann sicherlich die meisten Sträucher klein halten, indem man sie ständig schneidet, aber man kann auch einfach eine Sorte pflanzen, die nicht größer wird, als man sie an der Stelle haben will.

2. Pflanzung

Die eigentliche Pflanzung selbst ist so ziemlich das Einfachste: Man buddelt ein Loch, das groß genug für den Wurzelballen ist, steckt die Pflanze rein und fertig. Dabei gibt's nur noch ein paar Kleinigkeiten, die man beachten sollte.

Der Boden um den Wurzelballen herum sollte vor dem Pflanzen angelockert werden. Das erleichtert das Wurzelwachstum der Pflanze an ihrem neuen Standort. Bei der Gelegenheit lässt sich der Boden auch noch leicht mit allen möglichen Zusatzstoffen verbessern, wenn nötig. Später lässt sich das meistens schlecht nachholen.

Der Wurzelballen selbst sollte zumindest feucht sein. Wenn man eine Pflanze mit trockenem Ballen einpflanzt, beschädigt man leicht die Wurzeln und macht ihr den Neustart unnötig schwer. Trotzdem wird direkt nach dem Pflanzen auch noch angegossen. Damit erreicht man erst den nötigen "Bodenschluss", indem die Erde oder das Substrat komplett mit Pflanze drin nochmal aufgeschwemmt wird und sich sozusagen neu setzt.

Bei Zwiebelpflanzen setzt man die Zwiebel nicht einfach in ein passendes Loch, sondern etwa dreimal so tief, wie sie selbst dick ist.

3. Dünger

Nach einer Neupflanzung sollte eine Pflanze erst mal mit wenig auskommen müssen. Dadurch ist sie eher motiviert, ihre Wurzeln wachsen zu lassen, um Nährstoffe zu finden. Mit Dünger (insbesondere mit mineralischem) kann man leider auch viel falsch machen. Anfängern würde ich deshalb erst mal den Rat geben "weniger ist oft mehr". Wenn man Dünger kauft, steht meistens eine empfohlene Dosierung drauf. Die ist in aller Regel relativ großzügig bemessen. Man muss im Einzelfall entscheiden, aber pauschal würde ich mal sagen, wenn man sich nicht sicher ist, kann man's eher mit der Hälfte oder 3/4 der empfohlenen Dosierung probieren. Die wenigsten Pflanzen werden sich darüber beschweren und dann kann man immer noch nachhelfen.

Gibt man der Pflanze zu viel Dünger, passiert etwas, das viele Leute mit Krankheiten verwechseln oder denken, sie müssten mehr gießen: Die Pflanze vertrocknet, egal wie viel Wasser man ihr gibt. Das liegt einfach daran, dass die Nährstoffkonzentration im Boden irgendwann höher ist, als in den Zellen der Pflanze. Ein Zustand, den eine Pflanze aus der Natur nicht kennt. Daraufhin kehrt sich der Wasserstrom innerhalb der Pflanze um und das Wasser fließt quasi aus den Wurzeln raus in den Boden anstatt umgekehrt. Abhelfen kann man in dem Fall nur noch indem man versucht, die überflüssigen Nährstoffe mit sehr viel Wasser auszuwaschen.

Mit organischen Düngern hat man dieses Problem nicht, weil die Nährstoffe nicht von vornherein "aufgeschlossen" sind, sondern erst von Bodenlebewesen langsam umgewandelt werden müssen. Gartenanfängern würde ich deshalb erst mal von mineralischen Düngern abraten. Organische haben allerdings auch ihre Nachteile. Vor Allem kann man sie nicht so genau dosieren und die Wirkung ist immer etwas zeitverzögert. Um wirklich "richtig" zu düngen, muss man sich mit dem Thema leider etwas länger beschäftigen. Mehr dazu hier.

4. Schnitt

Eine der häufigsten und wahrscheinlich unbeliebtesten Pflegearbeiten. Meistens schneidet man Pflanzen einfach, um sie klein zu halten oder sie in eine bestimmte Form zu bringen, wie z.B. bei Hecken oder Formgehölzen. Beim Obstbaumschnitt werden auch gezielt "störende" oder unnötige Triebe entfernt, um den Ertrag zu erhöhen.

Anfängern kann ich erst mal nur den Rat geben, Pflanzen, von denen man noch was haben will, nicht so weit zurück zu schneiden, dass keine Blätter mehr dran sind. Das wäre dann nämlich ein so genannter Stockschnitt und wird einem nur von bestimmten Arten verziehen, die man vorher kennen sollte. Besser ist es, wenn man zumindest an jedem Trieb, den man einkürzt, noch allerwenigstens 2-3 Blätter übrig lässt, dann besteht noch ein Rest Transpirationssog (also Wasserstrom) in diesen Trieb und die Pflanze hat weniger Anlass, ihn komplett "aufzugeben". Auch bei Hecken sollte man es im Zweifel besser lassen, "ins Braune" rein zu schneiden, sondern immer genug Grün dran lassen.

Außerdem würde ich noch davon abraten, in praller Mittagssonne zu schneiden. Ein Schnitt ist immer auch eine Verletzung für eine Pflanze und verletzte Stellen kriegen deutlich leichter Verbrennungen.

Die meiner Meinung nach beste Methode ist aber sowieso, einfach von vornherein Pflanzen ihrer späteren Größe nach auszuwählen und sich das Schneiden dann komplett zu sparen.

5. gießen

Das ist wahrscheinlich so ziemlich das Einfachste, aber ein bisschen was kann man auch hier falsch machen. Deshalb gehe ich auch da kurz drauf ein.

Es gibt eigentlich keine Pflanze, die man wirklich jeden Tag gießen müsste, es sei denn, es sind mal ein paar Tage lang 30° im Schatten und selbst dann ist das im Garten eher die Ausnahme (Bei Pflanzen in Töpfen oder Kübeln ist das wieder was anderes). Ich erwähne das nur, weil es viele Leute gibt, die es trotzdem machen, nach dem Motto "Schadet ja nicht". Das tut es aber leider doch oft. Man kann Pflanzen in diesem Sinne auch kaputt gießen.

Wenn eine Pflanze wirklich Wasser braucht, wird sie sich in aller Regel rechtzeitig melden, indem sie z.B. die Blätter ein bisschen schlapper hängen lässt als sonst oder diese einfach weniger "Spannung" haben, wenn man versucht, sie vorsichtig ein bisschen hin und her zu biegen. Manche werden auch einfach etwas blass, wenn man genau hinguckt. Im Endeffekt wird man da einfach mit der Zeit Erfahrungswerte sammeln müssen.

Wenn man dann gießt, sollte man das möglichst gründlich (also ruhig mit übertrieben viel Wasser) machen. Das kippt man am besten aber nicht über die ganze Pflanze, sondern gezielt in den Wurzelbereich. Dabei bringt es nichts, den Boden oberflächlich nass zu machen. Davon merkt die Pflanze überhaupt nichts. Es sollte schon möglichst der ganze Wurzelbereich gewässert werden. Um zu prüfen, wie tief das Wasser in den Boden wirklich eingedrungen ist, sollte man sich ruhig die Finger ein bisschen schmutzig machen, indem man einen davon einfach mal komplett in die Erde steckt. Da wundert man sich oft, wie wenig von dem, was man rein gekippt hat, auch wirklich da unten angekommen ist.

Der beste Zeitpunkt zum Gießen ist entweder früh morgens oder abends, wenn die Sonne nicht so hoch steht und es nicht zu warm ist. Man kann natürlich auch in der Mittagssonne gießen, dann hat man aber ein erhöhtes Risiko von Verbrennungen an der Pflanze (durch Lichtreflexion der Wassertropfen) und das ausgebrachte Wasser verdunstet entsprechend schnell, bevor die Pflanze es aufnehmen kann.