Die richtige Erde

Die richtige Erde auszuwählen ist sehr wichtig und erspart einem auf Dauer viel Arbeit. Natürlich gibt's nicht DIE richtige Erde, in der alles ohne Probleme gut wächst. Weil jede Pflanze ihre eigenen Ansprüche hat, verkaufen einem Bau- und Gartenmärkte die verschiedensten Spezialerden. Da findet man Rosenerde, Rhododendronerde, Hortensienerde und was weiß ich was noch alles, im Prinzip für alle gängigen Gartenpflanzen. Das macht einem das Leben leichter, aber leider auch den Geldbeutel.

Wenn man sich ein bisschen auskennt, kann man sich das alles sparen.

Was ist überhaupt Erde?

Das Grundmaterial

Erst mal das Grundsätzlichste: Erde besteht entweder aus mineralischem oder organischem Material (oder natürlich aus einer Mischung von beiden). Mineralisches Material ist ursprünglich aus Gestein entstanden, organisches Material aus Lebewesen.

Die mineralischen Bestandteile von Erde nennt man entweder Ton, Schluff oder Sand. Das hängt davon ab, wie grob oder fein sie "gemahlen" bzw. errodiert sind. Ton ist dabei die feinste Stufe (unter 0,002mm) und Sand die gröbste (0,063 bis 2mm). Das ist deshalb wichtig, weil es alle Eigenschaften eines Bodens maßgeblich beeinflusst.

Sehr tonhaltige Böden (man sagt auch "schwere Böden") speichern extrem gut Wasser und Nährstoffe, sind dafür aber kaum luftdurchlässig, führen leicht zu Staunässe und machen den Pflanzen das Wurzelwachstum ziemlich schwer.

Sandlastige ("leichte") Böden sind entsprechend das Gegenteil: Sehr luftdurchlässig und leicht zu durchwurzeln, dafür aber auch ganz schnell ausgetrocknet, wenn's mal ein paar Tage nicht regnet und man das Gießen vergisst. Außerdem werden hier Nährstoffe leicht ausgewaschen, anstatt gespeichert zu werden.

 

Die organischen Bestandteile kann man unter dem Begriff "Humus" zusammenfassen. Der wichtigste Unterschied zu den mineralischen Anteilen ist erst mal, dass organisches Material mit der Zeit zersetzt wird. Das heißt, im Prinzip schrumpft die Erde so ganz langsam vor sich hin und daraus entstehen neue Nährstoffe, die die Pflanze wieder verwerten kann. Im Garten werden meistens entweder Torf oder Kompost eingesetzt.

Torf hat prinzipiell ganz hervorragende Eigenschaften für eine Erde. Er ist luftdurchlässig und leicht durchwurzelbar, aber speichert gleichzeitig auch sehr gut Nährstoffe und Wasser. Außerdem wird er nur sehr langsam zersetzt. Trotzdem wird er immer weniger verwendet, weil zur Torfgewinnung Hochmoore trocken gelegt werden müssen, die hinterher nur schwer wieder renaturiert werden können.

Ökologisch sinnvoller ist da die Verwendung von Kompost als organisches Material. Der wird allerdings deutlich schneller zersetzt als Torf. Der Vorteil daran ist, dass man deutlich weniger düngen muss, weil dabei viele Nährstoffe frei werden. Kompost wird inzwischen auch an Stelle von Torf als Bestandteil von vielen fertigen Blumenerden verwendet, lässt sich von Entsorgungsbetrieben relativ günstig beziehen oder ganz einfach selbst aus dem Inhalt einer handelsüblichen Biotonne herstellen. Mehr zu dem Thema hier.

Das Leben

Was man in einem Sack kauft, ist in aller Regel zumindest zu dem Zeitpunkt, an dem es eingepackt wird, steril. Das bedeutet, dass da keinerlei Leben drin ist. Keine Würmer, Milben, Bakterien, Pilze oder sonst was. In einer Hand voll guter Gartenerde sind dagegen mehr Lebewesen, als Menschen auf unserem Planeten. Und die sitzen da nicht rum und gucken doof, sondern machen eigentlich die meiste Arbeit für uns im Garten, wie so mikroskopisch kleine Heinzelmännchen. Sie sind die ganze Zeit damit beschäftigt, den Boden aufzulockern, durchzumischen, zu durchlüften und organische Bestandteile zu zersetzen, um damit Nährstoffe für Pflanzen herzustellen. Insbesondere Regenwürmer spielen hier eine große Rolle. Das liegt an ihrer Art der unterirdischen Fortbewegung, ihrer speziellen Ernährungsweise und Verdauung und der Tatsache, dass sie Kalkdrüsen haben. Damit stellen sie im Prinzip die perfekte Erde her.

Wer also gerne andere - ohne Bezahlung - für sich arbeiten lässt, ist gut damit beraten, das Bodenleben zu schonen und möglichst sogar zu fördern. Das Beste daran ist: Man muss dafür gar nicht viel machen, sondern sich, ganz im Gegenteil, eher ein paar Sachen sparen. Zum Beispiel den Einsatz von Maschinen. Wer mal eine Bodenfräse bei der Arbeit gesehen hat, kann sich denken, wie beliebt die Dinger bei Regenwürmern sind. Auch mineralische Dünger kommen bei Bodenlebewesen nicht besonders gut an. Die werden nämlich in Form von Salzen ausgebracht. Das stört die Pflanzen bei richtiger Dosierung nicht großartig, aber streuen Sie mal eine Prise Salz auf einen Regenwurm...

Der Humusgehalt des Bodens und organische Dünger sind dagegen direkt Futter für Bodenlebewesen. Außerdem werden inzwischen auch viele Hilfsstoffe angeboten, die speziell das Bodenleben fördern. Dabei kann man auch mit der Dosierung nicht viel falsch machen.

der pH-Wert

Zur Beschreibung des Säuregehaltes im Boden benutzt man den pH-Wert. Ich steige jetzt mal nicht in die Diskussion ein, was pH bedeutet. Auf jeden Fall geht es darum, zu bestimmen ob etwas eher sauer (niedriger pH-Wert, unter 7), neutral (pH-Wert =7) oder alkalisch (hoher pH-Wert, über 7) ist. Das ist für Pflanzen deshalb wichtig, weil jede Art eine bestimmte Zusammensetzung von Nährstoffen braucht. Diese Nährstoffe sind aber nicht einfach nur entweder da oder nicht da, sondern auch noch, wenn sie denn da sind, unterschiedlich gut oder schlecht verfügbar, je nachdem welchen pH-Wert die Bodenlösung hat. Jede Pflanze hat deshalb einen mehr oder weniger großen Bereich innerhalb der pH-Skala, an den sie von Natur aus angepasst ist.

Als Faustzahl kann man sich erst mal merken, dass bei Gartenerde so um 6-6,5 rum für die meisten Pflanzen ein ganz guter Wert ist.

Allerdings ist das immer von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Mehr ins Detail zu diesem Thema gehe ich auf dieser Seite hier.

Zusatzstoffe

In diese Kategorie gehört alles, was man in Erde sonst noch so rein mischt. Kalk zur Erhöhung des pH-Wertes gehört dazu. Oft wird zu diesem Zweck auch Urgesteinsmehl benutzt, das auf Dauer leicht alkalisch reagiert. Die meisten Zusatzstoffe sind aber dazu gedacht, die Struktur der Erde zu verändern. Perlite (Vulkanglaskügelchen) beispielsweise verbessern durch ihre grobe Struktur deutlich die Durchlüftung und Durchwurzelbarkeit von Erden. Bentonit (auch eine Art Vulkangestein) wird dagegen als sehr feines Pulver eingesetzt, um die Wasser- und Nährstoffspeicherung zu verbessern.

Außerdem gibt's diverse Wundermittel, die beigemischt werden und alles mögliche versprechen, wie z.B. Algenmehl für besseres Wurzelwachstum oder sowas. Ob das alles so hält, was es verspricht, kann und will ich hier gar nicht beurteilen, aber nötig ist es zumindest meiner Meinung nach nicht.

Erde beurteilen

Stellt sich noch die Frage, wie man beurteilt, mit was für einer Art von Erde man es in seinem Garten zu tun hat. Wie hoch der Anteil an organischem Material ist, kann man noch ganz einfach anhand der Farbe abschätzen, wenn man seine Erde nicht gleich im Labor untersuchen lassen will: Je dunkler die Erde, desto mehr Humus ist drin. Tiefschwarze Erde wird einen Anteil um 100% haben, erinnert die Farbe dagegen an einen Sandkasten, wird der Anteil eher gegen 0 tendieren. Für alles dazwischen entwickelt man relativ schnell Erfahrungswerte. So grob kann man sich anfangs vielleicht hier dran orientieren:

Humusgehalt nach Bodenfarbe*
Humusgehalt nach Bodenfarbe*

Um die mineralischen Bestandteile zu beurteilen, muss man sich dann schon ein bisschen die Hände schmutzig machen. Man nimmt eine kleine Probe, etwa einen Spatenstich tief und geht die folgenden Schritte durch:

der Begriff "Lehm" ist als Gemisch aus Sand, Schluff und Ton zu verstehen

Zeigerpflanzen: Diagnose auf einen Blick

Eine große Hilfe bei der Beurteilung von bestimmten Bodeneigenschaften sind Zeigerpflanzen. So nennt man Pflanzen, die an spezielle Bedingungen angepasst sind, gleichzeitig aber so weit verbreitet, dass sie sich von ganz alleine da ansiedeln, wo es ihnen gefällt. Die große Brennnessel beispielsweise kennt jeder. Überall wo viele davon auf einem Fleck wachsen, ist ganz klar, dass der Stickstoffgehalt des Bodens sehr hoch ist. Um das festzustellen, braucht man keine Bodenanalyse, ein Blick genügt.

Auch als Zeigerpflanze bekannt ist der gefürchtete Ackerschachtelhalm, ein Unkraut, das man schwer wieder los wird, wenn es sich einmal ausgebreitet hat. Der Grund dafür ist, dass diese Pflanze sich da ansiedelt, wo sie tiefe Ausläufer in einem stark verdichteten Boden bilden kann. Überall wo also Schachtelhalm wächst, hat wahrscheinlich mal irgendeine schwere Maschine ein paar Runden gedreht und damit tiefere Bodenschichten verdichtet.

Nach diesem Prinzip verraten uns also Zeigerpflanzen, allein durch ihre Anwesenheit, bestimmte Sachen über den Boden, in dem sie wachsen. Hier noch ein paar hilfreiche Beispiele zur Übersicht:

Gute Erde, schlechte Erde

Bevor man jetzt sagen kann, ob das, was man über seinen Gartenboden herausgefunden hat, gut oder schlecht ist, muss man natürlich erst mal wissen, was die Pflanzen bevorzugen, die man da rein setzt. Aber als Faustregeln kann man schon mal ein paar allgemeingültige Weisheiten festhalten:

 

- Der Humusanteil sollte bei Gartenboden wenigstens bei 5-10% liegen. Eine gesunde dunkelbraune Farbe ist wünschenswert.

- Hohe Tonanteile bedeuten höhere pH-Werte und selteneres Gießen, gleichzeitig aber erschwerte Bedingungen für Wurzelwachstum und -gesundheit.

- Hohe Sandanteile bedeuten niedrigere pH-Werte, häufigeres Gießen und ggf. Düngen, dafür aber erleichtertes Wurzelwachstum und bessere Durchlüftung (sehr wichtig auch bei Aussaat und Vermehrung).

- Ein gesundes Mittelmaß ist für die meisten Pflanzen auf Dauer in Ordnung.

 

Am besten ist es natürlich, sich vor einer Pflanzung über die genauen Ansprüche der Pflanzen zu informieren und die Erde entsprechend anzupassen. Sowas später nachzuholen ist meistens schwierig.