Gärtnern für Faule

Es gibt viele gute Gründe, faul zu sein. Wer nichts macht, macht auf jeden Fall schon mal nichts kaputt. Sofern sich Faulheit in einem gesunden Rahmen befindet, ist sie auch nicht zwangsläufig eine negative Eigenschaft, sondern kann sehr positive Aspekte haben. Dazu zählen z.B. ein gewisser Erholungseffekt, allgemeine Ausgeglichenheit und sogar eine Art eingebauter Innovationsmotor. Das klingt vielleicht etwas hochtrabend, aber einfach ausgedrückt: Wenn nicht irgendjemand in grauer Vorzeit keinen Bock mehr gehabt hätte, jeden Mist mit der Hand von A nach B zu schleppen, wäre wahrscheinlich auch kaum einer auf den Trichter gekommen, nach der Entwicklung des Rades, damit eine Schubkarre zu bauen. Sich zu fragen, welche unnötige Arbeit man sich sparen und wie man sich die nötigen Arbeiten erleichtern kann, ist ein bedeutender Teilaspekt der „Rationalisierung“ und des menschlichen Fortschritts in allen Arbeits- und Lebensbereichen und sollte nicht unterschätz oder sogar abwertend betrachtet werden.

Übertragen auf den Gartenbau landet man mit genug Faulheit im sog. „Naturgarten“. Rein von der Begrifflichkeit her, ist das zwar ein Widerspruch in sich, weil ein Garten das Gegenteil von Natur bedeutet, es ist aber immerhin die Art von Gartennutzung, die einem Naturzustand am nächsten ist.

Der Sinn der Sache

Ein naturnaher Garten hat drei große Vorteile: Man spart sich nicht nur viel Arbeit, sondern fördert auch die Biodiversität, die gerade in größeren Städten häufig auf solche Nischen angewiesen ist, und man hat gleichzeitig auch noch den Erholungseffekt, den ein pflegeintensiver Ziergarten bietet. Das kommt natürlich immer auf den Betrachter an, aber heutzutage sind die meisten Menschen ästhetisch recht aufgeschlossen in dieser Hinsicht. Chemische Pflanzenschutzmittel sind grundsätzlich Tabu in solchen Gärten. Auf mineralische Dünger wird auch komplett verzichtet. Statt dessen versucht man zu erreichen, dass sich auf natürliche Weise ein Gleichgewicht einstellt, in das man nur in seltenen Fällen noch selbst eingreifen muss. Alle nötigen Arbeiten werden dann aber auch möglichst schonend ausgeführt. Eine Wildblumenwiese mäht man beispielsweise nicht mit einem Rasenmäher, sondern am besten mit einer einfachen Sense und Boden wird nicht mit dem Spaten umgegraben (und schon gar nicht gefräst), sondern nur mit einer Grab(e)gabel gelockert.

Wie es funktioniert

Es gibt eigentlich zwei Herangehensweisen, einen Garten so zu gestalten, unabhängig davon, ob ein bestehender Garten verändert oder ein komplett neuer erstellt werden soll. Man kann sich intensiv mit dem Konzept auseinander setzen und gezielt bestimmte Arten auswählen, den Boden vorab gezielt anpassen und so weiter. Das ist anfangs etwas planungsintensiv, führt aber meist zu einem sehr guten Ergebnis. Die einfachere und in diesem Sinne „natürlichere“ Möglichkeit besteht darin, einfach alle möglichen Arten auszusäen und zu gucken, was davon wächst und was nicht. Irgendwann kommen beide zu einem ähnlichen Endergebnis, bei der einfacheren Variante dauert es nur ein bisschen länger, dafür kann es aber auch interessant zu beobachten sein, welche Arten sich im Laufe der Zeit gegen welche durchsetzen. Das passiert auch bei gut geplanten Anlagen, allerdings nicht in dem Ausmaß. Trotzdem gehört es zu einem Naturgarten dazu, dass immer mal in einem Jahr bestimmte Arten dominieren und im nächsten ganz andere. Ein gleich bleibendes Bild, wie man es von vielen Ziergärten gewohnt ist, kann man hier nicht erwarten.

Auswahl der Pflanzen

Im Prinzip ist es ja ganz einfach: Man kann so ziemlich alle Pflanzen verwenden, die bei uns heimisch sind. Die kommen mit dem Klima gut klar und passen in unser Ökosystem. Oft werden auch Arten verwendet, die zwar nicht direkt heimisch, aber schon lange „eingebürgert“ und nicht invasiv sind, also sich nicht so stark ausbreiten, dass sie heimische Arten verdrängen. Dazu zählt z.B. der Sommerflieder, der eigentlich aus China stammt, aber auch von unserer heimischen Insektenwelt dankbar angenommen wird. Ein wirklich großes Sortiment an ausschließlich heimischen Pflanzen findet man beispielsweise hier bei Rieger Hofmann. Da kann man schon mal einen guten Überblick gewinnen. Weitere Bezugsadressen für Saatgut und Pflanzen sind auch hier beim Nabu aufgelistet.

Gestaltungselemente

Neben den Pflanzen selbst kann man sämtliche Gestaltungselemente einbauen, wie in jedem anderen Garten auch. Dabei werden dann oft Natursteine in organischen Formen verwendet, um beispielsweise Terrassen, Wege, Hochbeete oder Abgrenzungen einzurichten. Häufig wird zur Schonung des Bodens allerdings auf Betonfundamente verzichtet und nur Schotter oder Splitt verwendet. Im Laufe der Jahre können dann schon mal kleine Reparaturen nötig werden. Auch bei Mauern wird auf Mörtel in den Fugen verzichtet. Solche „Trockenmauern“, die im Prinzip einfach aus aufgeschichteten Steinen bestehen, werden auch gerne von Eidechsen als Unterschlupf angenommen. Soll der Garten auch einen Teich beinhalten, sollte man auf Fische verzichten, die man extra füttern muss. Die ständige Nährstoffzufuhr führt nicht gerade zu einem natürlichen Gleichgewicht und dann muss man ständig die Algen aus dem Wasser keschern. Es siedeln sich aber auch ganz schnell genug Tiere von alleine an, wenn so ein Teich einmal „gut läuft“. Dazu braucht man auch keine großartigen Filteranlagen oder ähnliches, sondern nur ausreichend Wasserpflanzen, die die Nährstoffe verwerten. Viele Gartenbesitzer fördern zusätzlich noch aktiv die Artenvielfalt, indem sie Totholzhaufen als Unterschlupf für Igel und Haselmäuse anbieten oder angebohrtes Holz als „Insektenhotel“ zur Verfügung stellen.

Die Wildblumenwiese

Ein typisches Element des Naturgartens sind Wildblumenwiesen, für die auch haufenweise Saatgutmischungen in jedem Gartencenter angeboten werden. Im Gegensatz zu normalen Rasenflächen gilt hier die Devise "nur gucken, nicht anfassen". Gemäht wird so eine Wiese, wenn sie einmal zugewachsen ist, nur einmal im Herbst, wenn alle Samen ausgereift sind. Das macht man am besten auch einfach mit einer Sense, auf gar keinen Fall mit einem Rasenmäher. Das Schnittgut kann man noch ein paar Tage liegen lassen und dann entsorgen. Gedüngt wird normalerweise gar nicht und auch zur Gießkanne sollte man nur im Notfall greifen. Es stellt sich irgendwann automatisch ein Gleichgewicht ein, bei dem in diesem Fall Arten dominieren, die nährstoffarme und eher trockene Böden bevorzugen.

Will man eine Wildblumenwiese anlegen, sollte man den Boden auch entsprechend vorbereiten. Zu schwere Böden sind ungeeignet. Da muss man dann erst mal Sand oder gröberes Material einarbeiten. Unkraut (besonders Wurzelunkraut) muss gründlich entfernt werden, bevor ausgesät wird. Dazu werden meist fertige Saatgutmischungen eingesetzt, die es von vielen Anbietern in verschiedenen Kombinationen und für unterschiedliche Standorte gibt. Das Saatgut verstreut man einfach, harkt es etwas ein (nur oberflächlich, nicht zu tief) und drückt es anschließend mit einem Brett o.ä. leicht an. In den ersten 2 Monaten sollte man den Boden dann noch gleichmäßig feucht halten, bevor man die Wiese sich selbst überlässt. Im ersten Jahr sollte man auch noch regelmäßig nach Unkräutern Ausschau halten, die Probleme machen könnten. Ab dem zweiten Jahr kann man sich dann zurücklehnen und entspannen.