Garten und Balkon als Anbaufläche

Es gibt wahrscheinlich um die tausend gute Gründe, seine eigenen kleinen Grünflächen zum Anbau von Obst und Gemüse oder wenigstens ein paar Kräutern zu nutzen. Das ist inzwischen (ganz im Sinne der alten Schrebergärten) auch gar nicht mehr so ungewöhnlich. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass jemand, der sich einen eigenen Garten leistet, es nötig hat, ein paar Euro beim Lebensmitteleinkauf zu sparen. Deshalb gehe ich auf den finanziellen Aspekt gar nicht groß ein. Viel wichtiger finde ich die Tatsache, dass man weiß, was man isst. Was mich an "Supermarktgemüse" stört und was man beachten muss, wenn man's selber auf kleiner Fläche besser machen will, darum soll es im Folgenden gehen. Ich fange mal mit ein bisschen Überzeugungsarbeit an. Wer die nicht mehr nötig hat, kann die ersten beiden Absätze ruhig überspringen.

Absurde Landwirtschaft

Ich will beim Thema Landwirtschaft gar nicht so sehr ins Detail gehen. Da kann man ja ganze Bücher mit füllen und in alle möglichen Richtungen argumentieren. Dass die übertrieben weiten Transportwege wegen der CO2-Emissionen schlecht fürs Klima sind, ist wohl jedem klar. Aber Fliegen ist in der Hinsicht genauso die totale Umweltkatastrophe und das interessiert ja auch niemanden, wenn's im Urlaub mal für eine Woche ab nach Gran Canaria geht.

Dann gibt's noch das Problem der "Geschmackloszüchtung". Ich kann mich noch dunkel erinnern, dass Gurken früher Kerne hatten. Heute hat man es durch Züchtung geschafft, Gurken ohne Kerne hin zu bekommen. Andere kriegt man auch kaum noch zu kaufen. Dass dafür dieses komische Geglibber drin ist und die nur nach Wasser schmecken, scheint niemanden zu stören. Man gewöhnt sich eben an alles. Mindestens genauso gruselig finde ich im Übrigen Tomaten, die ich Monate lang in der Küche liegen lassen kann, ohne dass die mal Anzeichen zeigen, zu vergammeln. Dass da außer Wasser nicht viel gesundes drin ist, schmeckt man auch sofort, sofern man überhaupt noch weiß, wie Tomaten eigentlich mal geschmeckt haben. Die Reihe ließe sich endlos fortsetzen.

Viel schlimmer finde ich aber den massenhaften Einsatz von allen möglichen Chemikalien. Der zeigt teilweise schon Auswüchse, die sich George Orwell nicht besser hätte ausdenken können. In China haben sie es beispielsweise geschafft, die Bienen mit Pestiziden soweit auszurotten, dass jetzt die armen Leute für wahrscheinlich 10 Cent Stundenlohn in den Bäumen rum hampeln und ihre Blüten mit dem Pinsel bestäuben (im Ernst). Jetzt denkt man vielleicht, wir in Europa (und gerade in Deutschland) haben ja da viel strengere Auflagen und alles ist kontrollierter, sicherer und alle Mittel sind vorher wer weiß wie lange getestet worden, dass da nichts schief gehen kann. Ist auch so. Ändert aber nichts. Und das nicht nur, weil wir unser Gemüse sowieso zum Großteil von woanders importieren.

Dazu nur ein Beispiel, weil es gerade auch oft in den Medien war und niemand Ahnung, aber jeder irgendeine Meinung dazu hat: Glyphosat. Das ist ein Totalherbizid, von dem alleine in Deutschland pro Jahr um die 5.000 bis 6.000 Tonnen (Tonnen!) ausgebracht werden, Tendenz steigend. So ein Mittel wird natürlich, bevor es überhaupt zugelassen wird, erst mal ausgiebig untersucht und getestet, was die Hersteller übrigens schon ein paar Milliönchen kostet. Es wird auch nicht nur getestet, ob ein Mittel für Menschen schädlich sein könnte, sondern auch, ob es etwa "bienengefährlich" ist. So weit, so gut.

Jetzt gibt es Leute, die sagen, Glyphosat ist wahrscheinlich aber krebserregend. Das gehört verboten! Darüber kann man diskutieren, wenn man möchte. Ich persönlich komme aus dem Ruhrgebiet und sage dazu nur so viel: Wenn wir alles verbieten, was wahrscheinlich krebserregend ist, dann darf ich eigentlich nicht mehr atmen. Für mich ist das kein Argument. Warum finde ich trotzdem Pestizide schlimm? Bei den eben erwähnten, umfassenden Tests vor einer Zulassung, können Langzeitschäden überhaupt nicht untersucht werden. Wir wissen heute so viel über die Veränderung von Erbgut in Organismen, dass uns eigentlich klar sein sollte, wie sinnlos solche Untersuchungen sind. Wenn man wirklich 100%-ig sicher gehen wollte, dass so ein Mittel unbedenklich ist, müsste man es an Menschen testen und die Auswirkungen auf mehrere Generationen von Nachkommen beobachten. So ein Test würde dann hundert Jahre dauern und ist damit schon völlig unrealistisch. Tatsächlich findet man nicht nur Rückstände von Glyphosat in Muttermilch (ja, von Menschen), es gibt auch Studien, die zeigen, wie Bienen, die mit dem Mittel in Kontakt kommen, unmittelbar Probleme mit der Orientierung haben und nach mehreren Generationen zunehmend genetische Krüppel hervorbringen, die nicht fliegen können oder sonst wie verkrüppelte Gliedmaßen haben. Aber zum Glück sind bei der entscheidenden EU-Untersuchung nicht genug direkt gestorben, so dass man es mit gutem Gewissen freigeben konnte.

Was ich damit sagen will: Ich weiß zu wenig über Pflanzenschutzmittel, um von irgendeinem davon sagen zu können, dass es wirklich auf Dauer unbedenklich ist und ich könnte niemals sagen "Das Mittel hier ist gut und das da ist schlecht". Meiner Meinung nach kann das aber leider absolut niemand. Wer also irgendwas isst, das damit behandelt wurde, kann im Prinzip auch seine linke Niere auf ein gutes Pokerblatt setzen. Meistens hat man ja Glück, aber wenn ich lange genug spiele, hat irgendwann der andere einen Royal Flush.

Obskure Alternativen

Das tolle an unserer Gesellschaft ist ja, dass man sich Gesundheit auch einfach kaufen kann, wenn man das nötige Kleingeld hat. Deshalb gibt es auch ein überraschend schnell aus dem Boden geschossenes Angebot an Bio-Produkten mit irgendwelchen Öko-Siegeln und sonst was. Ob das alles hält, was es verspricht? Einfache Antwort: Keine Ahnung. Ich persönlich bezweifel das einfach mal pauschal, weil ich mir nicht erklären könnte, wo über Nacht plötzlich dieses ganze Zeug herkam, dass vorher nie angeboten wurde. Ich will damit Bio-Bauern gar nicht schlecht machen oder so. Es gibt da wirklich ganz tolle Konzepte, die sich auch bei vielen Landwirten durchgesetzt haben, aber wenn ich im Supermarkt stehe, weiß ich nur wegen einem Bio-Siegel auf den Äpfeln immer noch nicht wirklich, was da jetzt eingesetzt wurde und was nicht.

Was einem dann noch bleibt, sind spezialisierte Läden, abseits der normalen Supermärkte, bei denen man noch ein bisschen tiefer in die Tasche greifen muss, sich dafür aber deutlich besser fühlen kann, weil alles ganz regional und saisonal und super bio ist und von mir aus noch mit Demeter-Siegel. Da trifft man dann auch mal Leute, die ihr Geld nur in ihre gesunde Ernährung investieren, dafür den ganzen Tag barfuß rumlaufen, sich ihre eigene Zahnpasta aus Salz machen und ihre Kinder ohne Windeln großziehen. Das sind sicherlich alles interessante Konzepte, aber für mich wäre das nichts. Dafür bin ich dann doch zu sehr Stadtkind. Nahrung ist auch etwas so grundlegendes, dass ich gar nicht einsehe, gute Qualität als Luxus zu betrachten. Meiner Meinung nach sollte jeder das Recht darauf haben, was anständiges zu essen (wenn er will). Und so, wie ich das sehe, hilft da letzten Endes nur der Eigenanbau. Also...

Was geht und was nicht?

Theoretisch ist erst mal alles möglich. Man kann sich mit einem ausreichend großen Garten tatsächlich komplett selbst versorgen. Oft werden so 50-100m² Anbaufläche pro Person empfohlen. Das ist aber schon ziemlich aufwändig, erfordert einiges an Planung und der Garten sieht dann natürlich auch entsprechend aus. Klar ist, dass man Gemüse dann auch nur entsprechend der jeweiligen Saison zur Verfügung hat und auch passende Lagerräume bereit halten muss (einen kühlen Keller beispielsweise oder auch ein paar Tiefkühltruhen, je nach dem). Frische Tomaten im Winter gibt es eben nur aus dem Gewächshaus in Spanien.

Ich bin selber aber auch kein Freund von Extremen. Von daher würde ich einfach empfehlen, es erst mal an irgendeiner geeigneten Stelle des Gartens mit einem kleinen Hochbeet zu versuchen. Das lässt sich ganz einfach aus Holz bauen oder auch mit einer kleinen Mauer einfassen. Der klare Vorteil von Hochbeeten ist das deutlich angenehmere Arbeiten, ohne auf dem Boden herum kriechen zu müssen und sich dabei Knie und Rücken kaputt zu machen. Außerdem hat man schon mal weniger Probleme mit Kaninchen, die einem die Ernte wegfressen.

In so einem Beet kann man dann erst mal ein bisschen herum probieren, was man mag und was man gut hinbekommt. Es lässt sich leider schlecht pauschal sagen, wie viel Ertrag man in welcher Zeit wovon bekommt. Das ist von vielen Faktoren abhängig, z.B. vom Wetter oder vom jeweiligen Gärtner. Eigene Erfahrungen zu sammeln ist das Allerwichtigste. Deshalb bietet es sich erst mal an, von vielen verschiedenen Arten anfangs nur jeweils ein paar Pflanzen zu setzen und zu sehen, wie weit man mit der jeweiligen Ernte kommt. Wenn man irgendwann ein bisschen erfahrener ist, lassen sich immer noch weitere Beete dazu bauen, die man dann gezielter planen und bewirtschaften kann. Stellt man nach einem Jahr fest, dass man keine Lust mehr hat, setzt man eben einfach ein paar Bodendecker-Rosen oder sowas in sein Hochbeet und der ganze Spuk ist wieder vorbei.

Wem sich das alles schon nach zu viel Arbeit anhört, dem würde ich ans Herz legen, es wenigstens mit einem kleinen Kräuterbeet nah am Haus zu versuchen. In Form einer Kräuterspirale lässt sich sowas auch mit vielen verschiedenen Arten auf kleiner Fläche recht ansehnlich gestalten und die eigene Anstrengung beschränkt sich dann fast nur noch aufs Zugreifen und Weiterverarbeiten.

Wer Kinder hat, sollte die übrigens auch ruhig an der Gartenarbeit beteiligen. Sie lernen dabei unheimlich viel und wenn Kinder ihr eigenes Gemüse anbauen, dann essen sie es sogar auch.

Was es alles gibt (und wann)...

... liste ich hier nicht alles auf, weil die Seite dann kein Ende mehr hätte. Aber damit der Start etwas leichter fällt, kann ich allen blutigen Anfängern schon mal ein bisschen was empfehlen, bei dem man nicht viel falsch machen kann und mit wenig Aufwand in kurzer Zeit schon ganz gute Erträge erzielt.

Ganz einfach ist beispielsweise der Umgang mit Radieschen oder Karotten. Da hat man nach ein paar Wochen auch direkt was von auf dem Tisch. Wichtig ist nur ein möglichst lockerer Boden. Schnitt- oder Pflücksalat sind auch sehr praktisch, schon alleine weil man die einzelnen Blätter immer mal zwischendurch abernten kann. So kommt man nicht in die Situation, sich zu fragen, was man mit ganzen Salatköpfen machen soll, um die Riesendinger alle irgendwie verarbeitet zu kriegen. Mangold ist eine gute Alternative zu Spinat, die nicht nur schnell wächst und nach 2 Monaten dauerhaft bis zum Winter hin immer wieder abgeerntet werden kann, sondern dabei auch noch eine schöne Blattfärbung hat, die sich in jedem Garten sehen lassen kann.

Zucchini dauern etwas länger, sind aber auch ziemlich anspruchslos und liefern trotzdem gute Erträge. Ebenso Tomaten, die bei uns je nach Sorte aber teilweise recht große Probleme mit zu viel Regen kriegen können. Hier ist es besonders wichtig, die Blätter beim Gießen zu verschonen und nur die Wurzeln zu wässern.

 

Zur Übersicht, was es noch so alles gibt, wann man was aussäen sollte und wann geerntet werden kann, gibt es im Internet haufenweise Informationen. Eine der umfassendsten Auflistungen findet man auf www.aussaatkalender.com sehr übersichtlich dargestellt.

Auch für den Balkon - Anbau im Topf

Wer keinen Garten sein Eigen nennen kann, hat vielleicht wenigstens die Möglichkeit, einen Balkon zu nutzen. Solange der nicht gerade an der Nordseite des Hauses liegt, kriegt man da in jedem Fall wenigstens 2-3 Tomatenpflanzen und ein paar Kräuter untergebracht. Inzwischen haben sich Züchter aber auch darauf eingestellt und so gibt es viele Gemüsesorten auch in Miniaturform für den Anbau im Topf, wie z.B. Mini-Auberginen und ähnliches. Sogar winzige, veredelte Apfelbäumchen kriegt man für diesen Zweck. Nur auf so etwas wie Kartoffeln oder Karotten würde ich in dem Fall aus Platzgründen verzichten, ansonsten sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt.

Der klare Vorteil eines Balkons ist, dass man mit Kaninchen und Maulwürfen schon mal keinen Stress hat. Auch Schnecken verirren sich kaum eine Hauswand hoch, um ein bisschen Salat abzuknabbern. Dafür hat man bei Topfpflanzen generell mehr Aufwand mit der Pflege. Man muss häufiger gießen und seine Pflanzen etwas genauer im Blick haben, um ggf. Nährstoffmängel zu erkennen und bedarfsgerecht zu düngen. Dazu gehört auch erst mal ein bisschen Hintergrundwissen über Nährstoffe und Dünger. Mehr ins Detail zu dem Thema gehe ich hier.

Mischkultur und gezielte Düngung

Wenn es um gezielten Anbau geht, ist es sinnvoll, sich mit den Ansprüchen der jeweiligen Pflanzen etwas genauer auseinander zu setzen. Was es mit Nährstoffen und Dünger so alles auf sich hat, erkläre ich hier. Das allgemeine Bedarfsverhältnis, dass im Gartenboden zur Anwendung kommt, ist allerdings nicht mehr ganz ausreichend, wenn man auch ordentlich was ernten will. Ich empfehle zwar, gemischte Beete mit unterschiedlichen Arten anzulegen, aber man tut schon gut daran, Pflanzen nebeneinander zu setzen, die nicht unbedingt den gleichen Nährstoffbedarf haben, damit sie die Nährstoffe eher untereinander aufteilen. Dazu findet man leider wenig in übersichtlicher Form im Internet. Deshalb habe ich hier mal eine Übersicht zusammengestellt.

Außerdem müssen die Nachbarn im Beet sich auch miteinander vertragen. Man spricht von guten und schlechten Nachbarn, je nachdem, ob sie eher miteinander konkurrieren oder sich gegenseitig ergänzen. Das lässt sich auch leicht recherchieren, wenn man sich bei einer Art nicht sicher ist. Eine kleine Übersicht und ein praktisches Tool dazu gibt es hier.

Probleme mit Schädlingen

Wenn man auf Pflanzenschutzmittel verzichtet, wird man früher oder später Besuch bekommen. Ich kann hier unmöglich auf jeden einzelnen Schädling eingehen, von Krankheiten mal ganz zu schweigen. Allerdings hat man damit schon mal weitaus weniger Probleme, wenn man bei der Auswahl der Pflanzen von vornherein auf resistente Sorten achtet. Es gibt auch eigentlich für alles ganz gute Lösungen ohne viel Chemie. Außer bei Maulwürfen. Da muss man sich einfach damit abfinden, dass man seinen Garten nicht mehr für sich allein hat.

Manche Probleme erübrigen sich aber auch, wenn man seine Beete einfach mischt. Zum Beispiel hat man bei Kohlarten häufig Ärger mit Kohlweißlingen. Die finden aber Tomaten so widerlich, dass sie einen großen Bogen darum machen. Setzt man diese beiden also nebeneinander, löst sich das Problem von alleine.

Gegen sehr viele Schädlinge helfen einfache Gemüseschutznetze. Das sieht vielleicht nicht so schön aus und macht die regelmäßige Pflege etwas umständlicher, weil man immer erst das Netz wegnehmen und hinterher wieder drüber legen muss, wenn man beispielsweise Unkraut jäten will, aber dafür funktioniert es auch wirklich gut.

Weiter ins Detail zu dem Thema gehe ich hier.